Jüdische Opfer vermutet beim Flammeninferno von Crans-Montana Israels Präsident Itzchak Herzog twittert zum Flammeninferno, ein israelisches Hilfsteam ist unterwegs in die Schweiz. Das jüdische Gebetslokala im Nachbarhaus ist nicht beschädigt.
Das verheerende Unglück in der Silvesternacht in der Bar Le Constellation im Skiort Crans-Montana schockiert weit über die Schweizer Grenzen hinaus: rund 40 Menschen haben ihr Leben verloren, mehr als 100 weitere sind teilweise schwerst verletzt – darunter mehrere Mitglieder der örtlichen jüdischen Gemeinschaft, von denen drei derzeit noch vermisst werden. Dies bestätigten gegenüber tachles jüdische Zeugen vor Ort. Es wird vermutet, dass die Zahl noch höher sein könnte. Crans-Montana vereint jährlich eine grosse jüdische Gemeinschaft aus dem In- und Ausland. Eine Delegation der israelischen Hilfsorganisation ZAKA ist auf dem Weg in die Schweiz, um bei der Suche nach Vermissten und der Betreuung der Betroffenen zu unterstützen.
Das Unglück ereignete sich in den frühen Morgenstunden des 1. Januar gegen 1:30 Uhr, als in der bar Le Constellationein Feuer ausbrach, das sich binnen Minuten zu einer verheerenden Katastrophe ausweitete. Die Bar war während der New-Year’s-Eve-Feier mit internationalen Gästen stark besucht. Zahlreiche Opfer erlitten schwere Brandverletzungen; die Identifikation der Opfer wird voraussichtlich Tage dauern.
Augenzeugen berichten von panikartigen Szenen, als Gäste versuchten, dem Feuer und der dichten Rauchentwicklung zu entkommen. Die Rettungskräfte des Kantons Wallis rückten mit Dutzenden Einsatzkräften, Hubschraubern und Krankenwagen an und brachten die Verletzten in Spitäler in der Region und darüber hinaus.
In unmittelbarer Nähe zum Brandort befindet sich ein Chabad-Gebetsraum, der nach ersten Angaben vom Feuer verschont blieb. Dennoch wurden mehrere Schweizer Jüdinnen und Juden verletzt, und drei Personen aus der jüdischen Gemeinde gelten derzeit als vermisst. Rabbi Yitzhak Levi Pevzner, Chabad-Repräsentant vor Ort, bestätigte, dass die Verletzten in nahegelegene Krankenhäuser gebracht wurden und internationale Hilfe von ZAKA, einer jüdischen Notfall- und Hilfsorganisation, angefordert wurde. Recherchen von tachles haben ergeben, dass zwei jüdische Mädchen von Lausanne unter den Vermissten oder Todesopfern sein könnten. Unter den Schwerverletzten befinden sich mehrere jüdische Glaubensmitglieder. Bestätigt ist ein Mann aus Sion und einer aus Zug.
Laut lokalen Berichten bestand anfänglich die Sorge, dass das Feuer gezielt die jüdische Gemeinde getroffen haben könnte – diese Befürchtung hat sich jedoch nicht bestätigt; Behörden betonen, dass kein terroristischer oder antisemitischer Hintergrund erkennbar sei und von einem tragischen Unfall ausgegangen wird.
Bundespräsident Guy Parmelin sprach den Opfern und deren Angehörigen sein Beileid aus und bezeichnete das Unglück als eine nationale Tragödie. Auch internationale Politiker, darunter der israelische Präsident Itzchak Herzog, drückten ihr Beileid aus und boten Unterstützung an. Herzog twitterte, dass Israel in Gedanken bei den Verletzten, den Rettungskräften und den betroffenen Familien sei und seine volle Solidarität mit der Schweiz ausdrücke.
Die Polizei und Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis untersuchen die Ursache des Feuers. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass ein Funkenflug von Innenpyrotechnik oder eine falsch platzierte Wunderkerze mögliche Auslöser gewesen sein könnten; ein terroristischer oder vorsätzlicher Hintergrund sei jedoch ausgeschlossen worden. Die Ermittlungen dauern an. Wie Pevzner gegenüber tachles bestätigt, ist das jüdische Gebetslokal im Nachbarhaus nicht beschädigt. Allerdings ist es aufgrund der weiträumigen Absperrungen nicht zugänglich. Im Moment würde für eine Alternative geschaut. Am Mittwoch haben dort noch Minjanim stattgefunden. Am Freitag werden diese wieder durchgeführt. Indessen herrscht auch in der Nacht auf Freitag weiterhin grosse Unklarheit über die jüdischen Opfer. Mitglieder der jüdischen Gemeinden Lausanne und Genf konnten noch keine weiteren Angaben machen.