Israels Botschafter in den USA hatte J Street als «Geschwür» attackiert.
Rund 600 jüdische Persönlichkeiten, darunter Geistliche und Köpfe von Gemeinden, fordern in Brief den israelischen US-Botschafter Yechiel Leiter auf, Angriffe auf J Street zurückzunehmen und sich für diese zu entschuldigen. Leiter hat die liberale «pro-Israel-Lobby» als «Krebsgeschwür innerhalb der jüdischen Gemeinschaft» bezeichnet. Leiter war laut JTA vor seiner Ernennung durch Netanyahu in der Siedlerbewegung aktiv. Der Brief wirft ihm vor, mit seinen Äusserungen an einer Rede in Washington «andere Juden zu entmenschlichen».
J Street hatte jüngst für Widerstand gegen die fortgesetzte militärische Unterstützung Israels durch die USA plädiert. Leiter hat diesen Positionswechsel scharf verurteilt. Laut dem Brief begrüsse das Judentum zwar lebhafte Debatten. Meinungsverschiedenheiten müssten jedoch mit «Menschlichkeit, Demut und Respekt vor der Würde jedes einzelnen Juden» ausgetragen werden. Leiter wird aufgefordert, seine Äusserungen zurückzunehmen und «sich öffentlich bei den vielen amerikanischen Juden, Rabbinern, Kantoren und Gemeindeführern zu entschuldigen, die durch diese Worte verletzt wurden.»
Zu den Unterzeichnern zählten der New Yorker Abgeordnete Jerrold Nadler, die ehemaligen US-Botschafter in Israel, Daniel Kurtzer und Tom Nides, die Geschäftsführerin des National Council of Jewish Women, Jody Rabhan, der Präsident der Union for Reform Judaism, Rabbiner Rick Jacobs, sowie Rabbiner David Saperstein, der emeritierte Direktor des Religious Action Center of Reform Judaism (Link).
J Street-Street Präsident Jeremy Ben-Ami erklärte der JTA, seine unmittelbare Reaktion auf Leiters Kommentare sei «schlichtweg Bestürzung – sowohl im Namen Israels als auch im Namen der jüdischen Gemeinschaft» gewesen. Diese seien bedauerlich, «denn Israel braucht gerade jetzt alle Freunde, die es bekommen kann; es braucht dringend Diplomaten, die versuchen, Türen zu öffnen, anstatt sie den Menschen vor der Nase zuzuschlagen» (Link).