Recherchen der «New York Times».
Nach dem ersten Waffenstillstand zwischen den USA und Iran im April haben Regierungskreise in Washington angeblich Informationen über Pläne Israels gesammelt, führende Diplomaten der Islamischen Republik zu liquidieren. Anschliessend sollen die Amerikaner den Iran sogar über Pakistan und andere Vermittler vor diesen Vorhaben gewarnt haben. Dies berichtet die «New York Times» in Berufung auf Aussagen aktueller und ehemaliger Kader in der Trump-Regierung.
Israel hat von Beginn des Krieges Ende Februar an die aus den Kampagnen gegen die Hamas und die Hizbollah vertraute Strategie von Angriffen auf iranische Führungspersönlichkeiten fortgesetzt. Im April war Washington laut dem Bericht besonders besorgt über israelische Pläne zur Liquidierung von Aussenminister Abbas Araghchi und Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf gewesen. Ziel soll nach Auffassung der Amerikaner die Sabotage der Friedensverhandlungen gewesen sein. Dies hätte zweifelsohne zu einem erneuten Aufflammen der Kämpfe und den damit verbundenen, wirtschaftlichen Erschütterungen geführt.
Israel habe bei der Liquidations-Kampagne vor dem Waffenstillstand auch «potenziell pragmatischere Führer, mit denen die Trump-Regierung verhandeln wollte» getötet, darunter den Nationalen Sicherheitsberater Ali Larijani und den ex-Aussenminister Kamal Kharazi. Laut dem Bericht werfen die amerikanischen Befürchtungen vor der Liquidierung der Diplomaten ein Schlaglicht auf die «radikale Auseinanderentwicklung der Kriegsziele Israels und der USA. Israel lehne den Waffenstillstand und die laufenden Gespräche Washingtons mit Teheran ab, da diese die «Kriegsziele ihres Landes – einen Regimewechsel zu erzwingen, die Stellvertretertruppen des Iran zu zerschlagen und dessen Raketenprogramm ernsthaft zu schwächen – nicht erreichten».
Binyamin Netanyahu wies den Bericht gegenüber der Times als «Fake News» zurück: «Eine völlige Verdrehung der Tatsachen.» Angeblich hat Washington im April über Pakistan Warnungen an Aragchi und Ghalibaf vor Plänen der IDF-Luftwaffe gesandt, als die Unterhändler den Rückflug von Treffen mit US-Vizepräsident JD Vance in Islamabad antreten wollten. Pakistanische Kampfflugzeuge eskortierten die iranische Maschinen mit einer mehr als 70-köpfigen Delegation von der iranischen Grenze bis nach Islamabad und nach Abschluss der Gespräche wieder zurück an die Grenze.
Doch auf dem Rückflug warnte Teheran die Delegation über zwei israelische Kampfflugzeuge, die vom Irak her in den iranischen Luftraum eingedrungen waren und angeblich die Maschine mit den Delegierten abschiessen sollten. Laut dem Bericht legte das Flugzeug eine Notlandung in Maschhad ein – dem der pakistanischen Grenze am nächsten gelegenen Flughafen Irans – und die iranische Delegation absolvierte die restliche Strecke nach Teheran auf dem Landweg (Link).