USA – Politik 06. Jul 2026

Vergewaltigungs-Vorwurf gegen Graham Platner

Neue Missbrauchsvorwürfe gegen Graham Platner wurden publik.

Anhin schwierigste Krise des linken Aussenseiters bei Senatswahlen in Maine.  

Montagnachmittag wurden in den USA neue Missbrauchsvorwürfe gegen Graham Platner publik. Erstmals wirft eine Frau dem demokratischen Kandidaten für die Senatswahlen in Maine eine Vergewaltigung vor. Die 41-jährige Jenny Racicot aus Maine hat den Vorfall im Jahr 2021 gegenüber «Politico» in drei Interviews innerhalb der letzten zwei Wochen geschildert. Die Plattform hat zudem mit einem späteren Partner Racicots gesprochen, dem sie sich anvertraut hatte. Zudem verfügt «Politico» angeblich über Dokumente, die ihre Vorwürfe untermauern, wie E-Mails zwischen Racicot und ihrer Therapeutin sowie Nachrichten zwischen Racicot und einer Bekannten, die sie Jahre vor Platners Kandidatur davor gewarnt hatte, sich auf ihn einzulassen.

Platner hatte am Feiertags-Wochenende mehrere Wahl-Veranstaltungen mit der Erklärung ausfallen lassen, er fühle sich unwohl. Dies hatte Gerüchte über neue Enthüllungen oder Problemen nach einer Serie von Skandalen des linkspopulistischen Aussenseiters provoziert. Racicot hat nach eigenen Angaben über mehr als zwei Jahre lang eine gelegentliche Beziehung mit Platner, bis er eines Nachts Ende 2021 stark alkoholisiert und ungebeten in ihr Haus auf dem Land eindrang und sich ihr aufdrängte, obwohl sie ihn wiederholt aufforderte, aufzuhören. Er habe sie dann vergewaltigt. Sie habe den Kontakt zu ihm abgebrochen, nachdem sie ihm klargemacht hatte, dass die Begegnung nicht einvernehmlich gewesen sei.

Platner weist die Anschuldigungen zurück: «Diese Vorwürfe sind beunruhigend, schwerwiegend und falsch. Jeder Vorwurf eines nicht einvernehmlichen Verhaltens ist kategorisch unwahr». Racicot hatte vor wenigen Wochen gegenüber der «New York Times» von einem «rücksichtslosen» und «beunruhigenden» Verhalten Platners berichtet. Sie erklärt nun, den konkreten Vorwurf des sexuellen Übergriffs zurück gehalten zu haben, weil sie nicht als Vergewaltigungsopfer bekannt werden wollte. Zudem war ein weitere ex-Partnerin Platners nach Missbrauchs-Vorwürfen gegen ihn aufgrund ihrer Verbindungen zur Republikanischen Partei angefeindet worden.

Racicot hat mit ihrem Gang an die Öffentlichkeit gerungen, weil sie politisch mit Platner übereinstimme, dies sei ein «enormer moralischer Konflikt» gewesen: «Ich unterstützte seine politische Linie, aber nicht ihn als Person.» Doch die «Menschen sollen ein vollständiges Bild davon bekommen, wer er als Mensch ist.»

Das Wahlkampfteam von Platner hat rasch ein weiteres Dementi publiziert und Kritikern vorgeworfen, ihn aus dem Rennen drängen zu wollen: «Diese Anschuldigungen sind sehr schwerwiegend, und Graham weist sie entschieden zurück. Zudem sind sie von politischen Strategen des Establishments – die nicht aus dem Bundesstaat stammen – inszeniert und koordiniert. Seit einem Jahr versuchen seine Gegner, Graham mit allen Mitteln zu diskreditieren: Sie haben ihn als Nazi, Kriegsverbrecher und Kommunisten bezeichnet. Nichts davon entsprach der Wahrheit, und auch hier verhält es sich nicht anders.»

Nach den ersten, nicht an Vergewaltigungen heranreichenden Vorwürfen im Mai hat Platner frühere Missgriffe auf psychische Probleme und Alkoholmissbrauch infolge seines Kriegsdienstes mit den Marines im Irak und in Afghanistan zurückgeführt. Er betont jedoch, er habe sich gewandelt, und bestritt frühere Vorwürfe, er habe sich Frauen gegenüber gewalttätig oder missbräuchlich verhalten.

Unterstützt von prominenten Linken wie Bernie Sanders hatte der 41-jährige Ex-Marine und Austernzüchter im Mai mit 75 Prozent bravourös bei den demokratischen Vorwahlen gegen die amtierende Gouverneurin Janet Mills gewonnen, die ihre Kandidatur bereits im April dank schlechter Umfragen und miserabler Spendeneinnahmen aufgegeben hatte.

Damit wurde Platner Herausforderer der republikanischen Amtsinhaberin Susan Collins. Dieses Rennen wird bei den Wahlen im November mit über Mehrheit in der Oberen Kongresskammer – und damit die zweite Hälfte der Trump-Regierung entscheiden. Von daher ist die Aufmerksamkeit für Platner nur zu verständlich.

Er hatte nach Affären um eine Abzeichen der Waffen-SS abgekupferte Totenkopf-Tätowierung, umstrittenen Social Media-Posts aus seiner Vergangenheit und Sexting-Vorwürfen zu kämpfen. Dazu kommen Zweifel an seiner Selbstdarstellung als «Working Class» – immerhin betreibt die Mutter ein grosses, bestens gehendes Restaurant, das ihm den Grossteil seiner Austern abnimmt. Der Vater ist ein bekannter Anwalt und hat Platner mit einem Kredit für einen Hauskauf unterstützt.

Jüdischen Linksliberalen macht zudem Platners scharfe Kritik an Israel als Völkermörder in Gaza Bauchschmerzen. Platner will sämtliche Hilfen für Israel einstellen und hat Collins unterstellt, Gelder von der AIPAC angenommen zu haben. Sie sei «von Binyamin Netanyahu gekauft und bezahlt, und sie stimmt entsprechend ab».

Nun könnten viele Skeptiker bei den Demokraten ihre machtpolitisch motivierte Unterstützung für Platner aufkündigen. Ob er auch diese Affäre durchsteht, ist anhin unklar. Der amtierende US-Präsident hat bekanntlich eine Reihe gravierender Missbrauchs-Vorwürfe und auch Strafurteile dazu ungerührt an sich abgleiten lassen.

Andreas Mink