Die Regional- und Lokalwahlen in England, Schottland und Wales vom Donnerstag haben das Vereinigte Königreich radikal verändert.
Nachdem sich während Jahrzehnten im Unterhaus auf den grünen, ledernen Regierungs- und Oppositionsbänken die alten politischen Rivalen Labour und Tories im wie in einer verlässlichen Pendeluhr programmierten Machtwechsel gegenübersassen, ist aus der traditionsreichen Zweiparteien-Nation über Nacht ein polarisierter, gespaltener und radikalisierter Fünfparteien-Staat (sieben, rechnet man die schottischen und die walisischen Nationalisten hinzu) geworden. Die regierende Labour-Partei unter ihrem zunehmend unpopulären Parteichef Keir Starmer war die grosse Verliererin dieses schicksalshaften Urnengangs, bedrängt auf der einen Seite von Nigel Farages Rechtspopulisten Reform UK und auf der anderen von den grünen Linkspopulisten.
Die englischen Grünen gehören vor allem in den Städten zu den Gewinnern. Während Labour radikale Verluste von über 1434 Sitzen hinzunehmen hatte und die früher regierenden Tories (Konservativen) 561, gewannen die Rechtspopulisten von Nigel Farages Reform UK als Senkrechtstarter 1446 Sitze hinzu und die Kleinpartei der englischen Grünen triumphierte mit einem Plus von immerhin 397, welche sie auf eine totale Zahl an Gemeindevertretern von 543 brachte.
Doch der Wahltriumph der Grünen, der Öko-Partei, die gerne mit ihrem Lieblingsthema Antizionismus bzw. Gaza thematisch fremdgeht, wird von handfesten Antisemitismus-Skandalen überschattet. Der erfolgreiche Parteichef der Grünen, ein gewisser Zack Polanski – der seine jüdischen Ursprünge keineswegs verheimlicht – manövrierte sich in ein politisches Minenfeld, nachdem er die Polizisten, welche todesmutig den Attentäter des Mordanschlags auf zwei jüdische Männer im Nordlondoner Stadtviertel Golders Green entgegenstanden, in einem Tweet auf der Social-Media-Plattform heftig kritisierte. Er verbreitete ausserdem die unwahre Behauptung, der Attentäter habe bei seiner Niederwerfung durch die eingesetzten Taser-Geräte Handschellen getragen.
Die Grünen untersuchen gegenwärtig nicht weniger als 30 ihrer Abgeordneten wegen antisemitischer Umtriebe oder Äusserungen. Der frühere stellvertretende Vorsitzende der Grünen, Sharhrar Ali, bezeichnet seine von Islamisten infiltrierte Partei unverblümt als «Gefahr für die Gesellschaft». Die grüne Unterhausabgeordnete Ellie Chowns sagt, dass viele ihrer Parteigenossen Zionismus mit Rassismus gleichsetzen. Es ist bekannt, dass grüne Abgeordnete den Juden unterstellen, sie seien Urheber sowohl des 9/11-Anschlags auf das World Trade Center in New York von 2001 als auch des Massakers der Hamas am 7. Oktober 2023. Mörder von Juden werden von bestimmten grünen Politikern als «Märtyrer» glorifiziert, Juden und Israelis von anderen als «Ungeziefer» («Cockroaches») bezeichnet. Zwei grüne Kandidatinnen wurden verhaftet, als sie einen Anschlag auf eine mit Kindern besetzte Synagoge als gerechtfertigte «Racheaktion» bezeichneten und Fotos von Hamas-Terroristen mit dem Slogan «Widerstand ist Freiheit» versahen.