USA – Kultur 26. Aug 2026

Dolly Parton im Alter von 80 Jahren verstorben

Aus der Armut zur amerikanischen Ikone: Dolly Parton ist nun gestorben.

Die Musikerin, Schauspielerin und Philanthropin fühlte sich dem Judentum verbunden – und verdankte ihrem jüdischen Manager Sandy Gallin ein bravouröses Comeback.  

Anfang 1946 als viertes von zwölf Kindern armer Bauern in Pittman Center, im ländlichen Bergland von Tennessee geboren, blieb Dolly Rebecca Parton über eine ebenso lange, wie fruchtbare Karriere nicht zuletzt als Verfasserin von rund 3000 Songs dem christlichen Glauben ihrer Wurzeln verbunden. Sie hat der «New York Times» einmal anvertraut, auf ihrem Nachttisch lägen stets eine Bibel und ein Buch mit täglichen Andachten. Ihre Vertrautheit mit der hebräischen Bibel floss aber auch in einige ihrer beliebtesten Lieder ein, so der «Forward». Darunter «Coat of Many Colors» über Josef und «The Master’s Hand». 

Das 1971 geschriebene «The Master’s Hand beginnt mit der Schilderung der Geschichte von Noah. Nach dem Refrain folgt die weniger bekannte Geschichte von Schadrach, Meschach und Abed-Nego, drei Gestalten aus dem Buch Daniel. Die drei werden in einen «Feuerofen» geworfen, nachdem sie sich geweigert haben, sich vor einem Standbild Nebukadnezars II. von Babylon niederzuwerfen. Als Belohnung für ihre Treue zu Gott überleben die drei das Feuer auf wundersame Weise.

Gleichzeitig waren Kontakte mit jüdischen Persönlichkeiten in der Gegenwart wichtig für ihr philanthropisches Wirken, aber auch ihre Karriere. So wurde ihre Stiftung «Imagination Library» – die Kindern kostenlose Bücher zur Verfügung stellt – zur Inspiration für Harold Grinspoon und dessen «PJ Library», die einem jungen Publikum Literatur mit jüdischen Themen anbietet.

Mitte der 1970er Jahre begann ihre musikalische Karriere zu stagnieren. Sie vertraute zwei in Brooklyn geborenen Entertainment-Insidern jüdischer Herkunft bei einem gewagten Sprung von Nashville in den Pop-Mainstream. Parton schreibt es massgeblich dem erfolgreichen Talent-Agenten Sandy Gallin zu, dass sie einen «Crossover»-Erfolg in der Musik vollbrachte und in Bereiche wie Fernsehen, Film und sogar einen Freizeitpark expandierte.

1977 überzeugte Gallin Parton davon, das Lied «Here You Come Again» des jüdischen Songwriter-Ehepaars Barry Mann und Cynthia Weil einzuspielen. Er holte Gary Klein, ebenfalls aus Brooklyn stammend, hinzu, um den Song und das gleichnamige Album zu produzieren. Die Single schaffte es in die Top 20 der Pop-Charts und bescherte ihr ihren ersten Top-10-Pop-Hit; das Album war ihr erster Millionen-Seller – und wurde auch ein Country-Hit. Zudem brachte der Song Parton ihren allerersten Grammy ein – in der Kategorie «Beste weibliche Gesangsdarbietung – Country». In den folgenden Jahren produzierte Klein weitere Hits für Parton.

Gallin überzeugte Parton zudem von der Eröffnung des Freizeitparks «Dollywood» in Tennessee und gründete mit ihr die Produktionsfirma Sandollar, die Erfolge wie den Steve Martin-Film «Father of the Bride» (Vater der Braut) oder die Fernsehserie «Buffy the Vampire Slayer» landen konnte. 1990 gewannen die Produzenten einen Oscar für ihre AIDS-Dokumentation «Common Threads: Stories from the Quilt». Parton setzte ihrer Freundschaft mit «Sandy’s Song» ein Denkmal.

In ihren Memoiren «Songteller» schrieb Parton über Gallin: «Wir standen uns so nahe, und unsere Beziehung war so liebevoll. Wir stammten aus völlig unterschiedlichen Welten, aber irgendwie passte es einfach zwischen uns. Er war einer dieser Freunde, bei denen man sofort weiss: Das ist ein Freund fürs Leben.» Eine Zeit lang teilten sich die beiden sogar eine Wohnung an der Upper East Side von Manhattan.

Nach Gallins Tod im Jahr 2017 sagte Parton in einem Interview: «Niemand konnte so recht begreifen, wie das christliche Mädchen aus dem Süden und der jüdische Junge aus New York so viel gemeinsam haben konnten. Aber es war echt» (Link).
 

Andreas Mink