Ukraine-Krieg 25. Jan 2023

«Die Weltwirtschaft kommt ohne Russland aus»

Der Ökonom Jeffrey Sonnenfeld sieht Putin vor einer wirtschaftlichen Niederlage.

Während Panzer-Lieferungen an die Ukraine aus Deutschland und den USA die Schlagzeilen dominieren, stellt Jeffery Sonnenfeld mit seinem Kollegen Steven Tian in einem Beitrag für «Foreign Policy» eine provokante These auf: Die Entscheidung auf dem Schlachtfeld steh noch aus. Aber Putin hat «an der Wirtschaftsfront bereits verloren». Der Ökonom rechnet vor, dass das Kalkül des russischen Präsidenten fehlgeschlagen ist. Statt Europäer und andere Kunden als dominanter Lieferant von Erdgas und -Öl «in Geiselhaft» zu nehmen, ist den Abnehmern nach einem längeren Schock und explodierenden Preisen ein Wechsel zu anderen Produzenten gelungen: «In Europa ist die Energie-Versorgung sogar mindestens bis ins Jahr 2024 gesichert», was einem beschleunigten Schwenk zu nachhaltigen Quellen dienlich sei. Putin sei derweil gezwungen, Öl und Gas mit tiefen Nachlässen an Kunden wie Indien zu verkaufen, während die Weltmarkt-Preise unter das Niveau von Ende 2021 gefallen seien. 

Vor einem Jahr war Sonnenfeld in Fachmedien und unter globalen Eliten als Ökonom und Berater von Wirtschafts-Grössen oder US-Präsidenten bekannt. Doch kurz nach dem Überfall Putins auf die Ukraine am 24. Februar stellte der Professor an der elitären Yale School of Management in New Haven, Connecticut, auf eigene Faust einen Weltrekord in «Shaming» auf. Sonnenfeld hat mit seinem Teams am «Chief Executive Leadership Institute» von Yale am 28. Februar eine Liste mit zunächst etwa 400 internationalen Konzernen und deren Haltung zu Sanktionen gegen Russland vorgestellt und diese seither laufend aktualisiert und zuletzt auf 1000 Firmen erweitert (Link).

In ihrem FP-Beitrag schliessen Sonnenfeld und sein Forschungsleiter Tian: «Für Putin ist das Ende in Sicht. Nie wieder wird er in der Lage sein, ein derartiges Chaos in der Weltwirtschaft anzurichten. Denn er hat das mächtigste Instrument Russlands dauerhaft und ohne Aussicht auf eine Wiederherstellung geschwächt – nämlich die Vorkommen an Energie und sonstigen Rohstoffen» (Link).

Andreas Mink