Neue Informationen zu jüdischen Opfern und Hilfe.
Die Tragödie am Neujahrstag in Crans-Montana wird mit jeder neuen Information erschütternder. Während die offizielle Bilanz derzeit bei etwa vierzig Toten und 115 Verletzten liegt, trifft sie auch die jüdische Gemeinde mit voller Wucht. Zum einen, weil sich die Synagoge der Gemeinde Beit Yossef im selben Gebäude wie das Constellation befindet, dessen Keller am 1. Januar um 1:30 Uhr morgens durch einen Brand und eine Explosion zerstört wurde (vgl. Artikel). Dies könnte zweifellos für einen Moment den Verdacht auf einen Terroranschlag aufkommen lassen haben, eine Hypothese, die jedoch von den Ermittlern sehr schnell verworfen wurde und am Freitagnachmittag von der Staatsanwälting bestätigt, dass Feuerkörper den Brand ausgelöst haben.
Weiterhin werden drei jüdische Menschen vermisst, wie tachles am Donnerstagg berichtete. Darunter befinden sich zwei Mädchen von Mitgliedern der Gemeinde Lausanne und ein jüdischer Neuankömmling in dieser Stadt. Die Familie hat gemäss Informationen von tachles am Donnerstag für die Ermittlung der DNA-Spuren entsprechende Gegenstände abgegeben. Weiter ist bekannt, dass ein junger Jude in ein Krankenhaus in Zürich gebracht wurde. Er wurde bislang noch nicht identifiziert, versichert Rav Levi Ytzhak Pevzner von der Gemeinde Bei Yossef in Crans-Montana und im Kanton Wallis (CBYCM). Es könnte weitere Verletzte geben, die bislang in Zürich noch nicht identifiziert wurden, sagt er. Eine israelische Frau ist inwischen als vermisst gemeldet worden, teilte das israelische Aussenministerium am Freitag mit. Die Behörden stehen laut Mitteilung in Kontakt mit der Familie und arbeiten eng mit den lokalen Rettungskräften zusammen, um ihren Aufenthaltsort zu klären. Inzwischen ist auch der verletzte Sohn eines ehemaligen Mitglieds der jüdischen Gemeinschaft aus Basel bekannt. Er erlitt Verbrennungen und ist in Sicherheit.
Geschätzte Unterstützung
„Sobald die Katastrophe bekannt wurde, hat sich unsere Gemeinde sofort und mit ganzer Kraft mobilisiert. Wir haben unsere Küche geöffnet und konnten morgens 300 Mahlzeiten an den von den Behörden eingerichteten Krisenstab liefern. Etwa vierzig Freiwillige haben unermüdlich gearbeitet. Diese Unterstützung wurde natürlich allen zuteil und von den Behörden geschätzt und gelobt», sagt der Rabbiner der CBYCM.
Rav Pezner betont, dass er mit anderen jüdischen Familien in Kontakt steht, in denen Personen vermisst werden oder nicht identifiziert wurden. Er war es auch, der ZAKA, die israelische Notfallorganisation, um Hilfe gebeten hat, die ein Team vor Ort entsandt hat. Am Vorabend des Sabbats wird unser Gesprächspartner versuchen, während des Gebets tröstende Worte für seine Gemeinde zu finden.
Das Gleiche gilt für Lausanne, wo Rabbiner Eliezer di Martino bereits Gebete während der täglichen Gottesdienste organisiert hat und dies am Freitagabend erneut tun wird.
Israel bereit, Hilfe zu leisten
Auch in Israel sind die Emotionen gross, wo Präsident Yitzhak Herzog am Donnerstag seinem Amtskollegen Guy Parmelin die Hilfe seines Landes angeboten hat. Herzog erinnerte seinen Gesprächspartner daran, dass «der hebräische Staat über langjährige Erfahrung und fortschrittliche Fähigkeiten in den Bereichen Lokalisierung und Identifizierung von Brandopfern sowie in der Versorgung von Verbrennungsopfern bei Brandunfällen verfügt».
Nach Angaben des Präsidialamtes bedankte sich Guy Parmelin und erklärte, das EDA sei angewiesen worden, bei Bedarf mit der israelischen Botschaft in der Schweiz in Kontakt zu bleiben.
Crans-Montana ist ein beliebter Ferienort für Juden. Insbesondere einige aus Genf und Lausanne besitzen dort Chalets und Residenzen. Auch viele Mitglieder der orthodoxen Gemeinde, die nicht aus der Schweiz stammen, verbringen dort häufig ihre Ferien. Die Eröffnung der Gemeinde Beit Yossef entspricht dieser starken Nachfrage.
Verlegung von Schwerbrandverletzten
Im Allgemeinen bleibt eine grosse Anzahl von Opfern vorerst unbekannt. Neben DNA-Proben werden auch Kieferorthopäden gesucht. Viele der jungen Opfer stammen offenbar aus Lutry und seiner Juniorenfussballmannschaft in der Nähe von Lausanne. Auch eine Reihe von Franzosen und Italienern sind ums Leben gekommen oder verletzt worden.
Rund 100 Schwerbrandverletzte befinden sich in einem absoluten Notfall. Neben den Spitälern im Wallis versuchen sie, in den Zentren für Schwerbrandverletzte in Lausanne, im Universitätsspital Zürich und auch in St. Gallen behandelt zu werden. Auch das Universitätsspital in Genf hat seine Hilfe angeboten. Einige Schwerbrandverletzte werden in Spitäler in Lyon, Paris und Stuttgart verlegt. Sie werden insbesondere aus dem überlasteten Zentrum in Lausanne verlegt. Laut dem Präsidenten der Walliser Regierung, Mathias Reynard, wird ein Team aus dem Zentrum für Brandverletzte in Lyon zur Unterstützung des Spitals nach Sion kommen, das wie alle Spitäler im Wallis überlastet ist. Es ist bekannt, dass die Zahl der Todesopfer in den nächsten Stunden leider noch steigen wird.
Was die Ursache des Unfalls angeht, sind die Ermittler derzeit noch sehr zurückhaltend. Die These, dass ein Funke von einer Kerze, die in einer Flasche von einer Person auf den Schultern einer anderen getragen wurde, den Brand ausgelöst hat, wird in den Medien und sozialen Netzwerken vielfach verbreitet. Derzeit liegt der Schwerpunkt jedoch auf der Versorgung, der Identifizierung der Opfer und der Trauer.