USA – Wahlen 03. Nov 2026

Christen wählen zwischen Hindu und Jüdin

«Ich habe gewählt»-Aufkleber liegen am 1. November auf einem Tisch bei der Wahlbehörde von Cuyahoga in Cleveland, Ohio.  

Ungewöhnliche Konstellation bei den Gouverneurs-Wahlen in Ohio.  

Unabhängig vom Ausgang wird die heutige Gouverneurswahl in Ohio in mehrfacher Hinsicht eine Premiere sein. Sollte die Demokratin Dr. Amy Acton gewinnen, wäre sie die erste jüdische Gouverneurin und zugleich die erste Frau in diesem Amt in der Geschichte Ohios. Sollte der Republikaner Vivek Ramaswamy siegen, wäre er der erste Hindu im Gouverneurssitz in Columbus.

Laut dem Pew Research Center bezeichnen sich zwei Drittel der Erwachsenen in Ohio als Christen, während rund 30 Prozent keiner Religionsgemeinschaft angehören. Dass beide Kandidaten zu jenen fünf Prozent religiöser Minderheiten gehören, ist in der Politik des Bundesstaates beispiellos.

Der Wahlkampf ist selbst für die laufende Kampagne ausserordentlich scharf. Dies geht vor allem auf das Konto von Ramaswamy. Actons Kampagne stellt den Biotech-Milliardär als Betrüger dar, der wirkungslose Medikamente unter falschen Vorgaben vertrieben hat – ein Vorwurf, den Ramaswamy zurückweist. Er liess dagegen in einem Werbespot Actons Mutter zu Wort kommen, die ihre Tochter als Lügnerin bezeichnet. Dabei steht fest, dass Acton als Mädchen von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht und dann von Sozialbehörden aus der Kontrolle ihrer Mutter genommen wurde. Sie hat später mit ihrer Mutter gebrochen. Selbst der republikanische Gouverneur von Ohio, Mike DeWine, hat Ramaswamy zur Entfernung des Clips aufgerufen. Dieser kam der Kritik jedoch erst nach Tagen Ende letzter Woche nach.

Momentan liegt Acton in einem Bundesstaat, der bei den letzten drei Präsidentschaftswahlen für Donald Trump gestimmt hat, knapp vor Ramaswamy. Die 60-Jährige ist vom Vater her jüdisch und greift auf ihren Glauben zurück, um ihre progressive politische Agenda zu begründen. Sie hat bei Rabbinern studiert, gemeinsam mit ihren Kindern die Thora gelernt und ist in jüdischen Schulen sowie Gemeindezentren aktiv und war Vorstandsmitglied ihrer Synagoge nördlich von Columbus, der «Congregation Beth Tikvah» (Link).

Ramaswamy begann seinen Wahlkampf mit Segenswünschen in seinem hinduistischen Tempel, wirbt aber um Trumps Maga-Basis, die Amerika als christliche Nation betrachten und «Fremde» und Migranten abschieben will (Link).

Andreas Mink