Signal im Kampf um Israels Medienfreiheit.
Der israelische Privatsender Channel 13 steht vor einem Eigentümerwechsel: Der bisherige Mehrheitsgesellschafter Len Blavatnik will seine Anteile an ein Konsortium israelischer Hightech-Unternehmer verkaufen – und damit einen Einstieg aus dem Umfeld eines Netanyahu-Verbündeten verhindern. Der Deal gilt als politisches Signal im zunehmend polarisierten Medienmarkt des Landes.
Der britisch-amerikanische Investor Len Blavatnik plant laut Haaretz, seine Mehrheitsbeteiligung am Fernsehsender Channel 13 über seine Holding Access Industries an eine Gruppe israelischer Technologieunternehmer zu veräussern. Hinter dem Konsortium stehen prominente Vertreter der Branche, darunter der Mitgründer des Cybersecurity-Unternehmens Wiz, Assaf Rappaport. Ziel sei es, die wirtschaftliche Stabilität des Senders zu sichern und seine redaktionelle Unabhängigkeit zu stärken.
Die Verhandlungen folgen monatelangen Auseinandersetzungen um die Zukunft des Senders. Zuvor war ein Einstieg aus dem Umfeld des Telekom-Milliardärs Patrick Drahi diskutiert worden, der als politisch Netanyahu-nah gilt. Diese Option stiess innerhalb der Redaktion und bei Journalistenorganisationen auf Kritik und löste Warnungen vor möglicher politischer Einflussnahme aus.
Channel 13 zählt zu den wichtigsten privaten Fernsehanbietern Israels und hat sich in den vergangenen Jahren mit investigativer Berichterstattung profiliert, die die Regierung von Premierminister Binyamin Netanyahu wiederholt unter Druck setzte. Beobachter sehen den geplanten Verkauf daher auch im Kontext der zunehmend politisierten Medienlandschaft.
Blavatnik hatte den Sender über Jahre hinweg mit erheblichen Mitteln gestützt, galt zuletzt jedoch als nicht länger bereit, dessen Verluste dauerhaft zu tragen. Der Einstieg der Tech-Gruppe könnte nun neue Investitionen ermöglichen und die strategische Neuausrichtung beschleunigen – mit stärkerem Fokus auf digitale Plattformen und ein breiteres Publikum.
Der mögliche Eigentümerwechsel wird deshalb nicht nur als wirtschaftliche Transaktion gelesen, sondern als symbolischer Schritt im Ringen um die Unabhängigkeit zentraler Medieninstitutionen in Israel.