Bedrohung des Abgeordneten Ro Khanna auf der Westbank.
Ein Vorfall vom Mittwochnachmittag dürfte die Kritik an Israel unter Linksliberalen in den USA weiter schüren. Wie von Medien gut dokumentiert, haben mit amerikanischen Gewehren bewaffnete Siedler den demokratischen Kongressabgeordneten Ro Khanna nach einem Besuch in den Ruinen von Khirbet Zanuta am Verlassen des Beduinendorfes im südlichen Westjordanland gehindert. Der Ort war Ziel wiederholter Attacken von Siedlern, wurde von den Bewohnern verlassen und anschliessend von Besatzungsbehörden abgerissen.
Khanna unternahm einen Besuch auf den besetzten Gebieten und hielt auf Video fest, wie zwei Fahrzeuge mit bewaffneten Siedlern auftauchten, die schmale Ausgangsstrasse blockierten und den kalifornischen Politiker und seine Begleitung beschimpften und bedrohten. Dann trafen IDF-Fahrzeuge ein, doch die Militärs rauchten Zigaretten, unterhielten sich mit den Siedlern und stellten nach deren Abzug selbst ein Fahrzeug so ab, dass die Strasse blockiert wurde. Der Vorfall dauerte anscheinend rund 90 Minuten (Link).
Khanna erklärte später, er habe sich machtlos und bedroht gefühlt. Er konnte seine Tour fortsetzen, nachdem er die US-Botschaft und die israelische Polizei eingeschaltet hatte: «Man stelle sich nur vor, wie sich Palästinenser unter der Besatzung tagtäglich fühlen, wenn es diesen Leuten gelingt, einem amerikanischen Kongressabgeordneten 90 Minuten lang das Gefühl der Machtlosigkeit zu vermitteln.» Die IDF bestreitet, dass Soldaten an der Blockade der Ausfahrt beteiligt gewesen seien. Zudem werde die Identität der bewaffneten Zivilisten derzeit überprüft.
Khanna erwägt eine Präsidentschaftsbewerbung 2028 und teilte mit, seine Beobachtungen im Westjordanland würden seine politische Arbeit prägen. Sollte er eine Wahlkampagne starten, würden die Rechte der Palästinenser dabei im Mittelpunkt stehen.
Er hatte seine Haltung Israel gegenüber indes bereits vor der Tour geändert. Zuvor hatte er Israel dreimal besucht, unter anderem im Oktober 2024 als Teil einer parteiübergreifenden Delegation, die mit Premier Binyamin Netanyahu und dem jordanischen König Abdullah II. zusammentraf. In letzter Zeit hat Khanna dem jüdischen Staat Völkermord an den Palästinensern in Gaza vorgeworfen und plädiert für die Einstellung sämtlicher US-Hilfen an Israel.
Seine jüngste Reise brach mit einem politischen Ritual in den USA: statt Israel besuchte Khanna palästinensische Ortschaften und traf sich mit Familien sowie lokalen Geschäftsleuten. Die Bürgermeister von Bethlehem, Beit Sahur und Beit Jala schilderten die Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit und ihres Zugangs zu Wasser. Sie liessen Khanna dankbar wissen, dass sie noch nie zuvor einen Kongressabgeordneten getroffen hätten.
Khanna ist indisch-amerikanischer Abstammung und in Pennsylvania aufgewachsen. Er teilte der «New York Times» mit, er sei sich seiner ethnischen Zugehörigkeit noch nie so bewusst gewesen wie auf dieser Reise: «In Palästina nahm ich mich zunächst als jemand mit brauner Hautfarbe wahr, der Apartheid-ähnliche Zustände erlebt». Wüssten Amerikaner darüber Bescheid, würden sie diese Zustände sicher nicht unterstützen» (Link).
Khanna gilt dabei keineswegs als Exponent der jüngeren Parteilinken. Der 49-Jährige vertritt Teile des Silicon Valley im US-Kongress und positioniert sich als progressiver Pragmatiker, der frische Lösungen für tief gehende Probleme wie steigende Lebenshaltungskosten entwickelt.