Der 71-jährige Republikaner war jüngst aus der Ukraine zurück gekehrt.
In der Nacht zum Sonntag ist in Washington Senator Lindsey Graham verstorben. Der Republikaner aus South Carolina war einer der wichtigsten Unterstützer Israels im Kongress und gleichzeitig ein Gegner Russlands unter Putin. Graham war am Freitag von einem Besuch in der Ukraine zurück gekehrt und hatte dort einmal mehr Präsident Wolodymyr Selenskyj getroffen. Als Todesursache wird ein Herzinfarkt vermutet. Sein Büro gab dafür nur eine «kurze und plötzliche Krankheit» an.
Graham stammte aus einfachen Verhältnissen, wurde Jurist und schlug als solcher eine Karriere im Militär ein, die 1992 zu einem Sitz im Gliedstaats-Parlament, schon zwei Jahre später in den US-Kongress und 2002 in den Senat führte. Leutselig, schlagfertig und immer bereit zu einem Plausch mit Medien, wurde Graham rasch landesweit und dann international als führender Exponent der republikanischen Sicherheits-Politik mit einem Fokus auf ein starkes US-Militär, das Bündnis mit Israel und Skepsis gegenüber Russland bekannt. Dabei blieb er eher pragmatisch, was besonders in einer engen Freundschaft mit seinem freigeistigen Fraktionskollegen John McCain deutlich wurde (Link).
Graham trat 2016 bei den Vorwahlen gegen Trump an und bezeichnete diesen als «rassistisch, fremdenfeindlich und religiös-bigott». Als Präsident würde Trump die Partei zerstören – und das verdientermassen. Gleichwohl verstand er es rasch, einen guten Draht zu Trump zu entwickeln und suchte dessen Nähe beim Golfen. Er trat aktiv für den Iran-Krieg vom Februar ein, plädierte aber auch für stärkere Unterstützung für die Ukraine. Graham soll sich zuletzt erneut für die Einbeziehung Saudi-Arabiens in die Abraham-Abkommen engagiert haben (Link).
Sein Tod löst auch in Israel Entsetzen und Trauer aus. Präsident Isaac Herzog bezeichnete ihn als «lieben Freund, einen grossen Freund Israels und einen grossen amerikanischen Patrioten». Graham sei ein Leuchtturm moralischer Klarheit und eine wahre Führungspersönlichkeit der Partnerschaft zwischen den USA und Israel gewesen, dies gerade nach dem 7. Oktober 2023: «Wir werden niemals vergessen, wie er dem Volk Israels in unseren schwersten Stunden zur Seite stand, und wir werden stets dankbar sein für die Gerechtigkeit, die Wahrheit und die Loyalität, die er bewiesen hat» (Link).
Gleichzeitig löst Grahams Ableben eine Flut von Verschwörungstheorien aus, die von einer Ermordung durch Iran oder Russland (Link) bis zu zu einem Komplott des Mossad reichen (Link). Dabei kommen Mutmassungen über die sexuelle Orientierung des lebenslangen Junggesellen zum Tragen (Link).