Jerusalem 20. Mai 2026

Ben-Gvir provoziert

Der rechtsextreme Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, spricht in einem am Mittwoch veröffentlichten Video mit einem inhaftierten Aktivisten der Gaza-Flottille.

Nach einem Video des israelischen Polizeiministers Itamar Ben-Gvir, das Gaza-Aktivisten auf demütigende Weise zeigt, hat das italienische Aussenministerium den israelischen Botschafter einbestellt.  

«Das Video von Minister Ben-Gvir ist absolut inakzeptabel und verstösst gegen jeden elementaren Schutz der Menschenwürde», schrieb Aussenminister Antonio Tajani auf X.
Auch der französische Aussenminister Jean-Noel Barrot kündigte auf X die Einbestellung des israelischen Botschafters an, um die Entrüstung Frankreichs mitzuteilen und Erklärungen zu erhalten. Ben-Gvirs Verhalten sei nicht akzeptabel. Französische Teilnehmer der Gaza-Hilfsflotte müssten mit Respekt behandelt und so schnell wie möglich freigelassen werden, schrieb Barrot.
Der israelische Aussenminister Gideon Saar distanzierte sich auf X mit deutlichen Worten von seinem rechtsextremen Kabinettskollegen, der zu den umstrittensten Mitgliedern der Regierung von Benjamin Netanyahu gehört. Er habe «unserem Staat mit diesem beschämenden Auftritt wissentlich Schaden zugefügt – und das nicht zum ersten Mal", schrieb Saar. Ben-Gvir sei "nicht das Gesicht von Israel».
Regierungschef Netanyahu schrieb, Ben-Gvirs Umgang mit den Aktivisten entspreche nicht den Werten und Normen Israels. Gleichzeitig betonte er, Israel habe das Recht, «Flotillen von Hamas-Unterstützern am Eindringen in unsere Hoheitsgewässer und am Erreichen des Gazastreifens zu hindern.» Er habe die zuständigen Behörden angewiesen, die Aktivisten so schnell wie möglich auszuweisen.
Ben-Gvirs Video zeigt den Minister mit einer Gruppe Anhängern und eine israelische Flagge schwenkend zwischen gefesselten und knienden Aktivisten der internationalen Gaza-Hilfsflotte in der israelischen Hafenstadt Aschdod. «Willkommen in Israel, wir sind hier die Hausherren», ruft er auf dem Video, auf dem er die Aktivisten auch verspottet.
Israels Aussenministerium meldete in der Nacht den vollständigen Stopp der aus 51 Booten bestehenden Gaza-Hilfsflotte. Alle 430 Aktivisten seien auf israelische Schiffe gebracht worden. Ziel der «Gaza Sumud Flotilla» war es laut den Veranstaltern gewesen, «einen humanitären Korridor einzurichten und Israels illegale Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen».

Redaktion