Mehr als 170 jüdische Persönlichkeiten stellen sich hinter Mark Ruffalo, nachdem Paramount dem Schauspieler antisemitische Argumentationsmuster vorgeworfen hatte. Führende jüdische Organisationen halten seine Äusserungen dagegen für einen Rückgriff auf klassische Stereotype über jüdischen Reichtum und jüdische Medienmacht.
Der Streit entzündete sich an Ruffalos Kritik an der geplanten, rund 110 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount Skydance. Der Schauspieler brachte die Fusion mit Oracle-Gründer Larry Ellison in Verbindung, dessen Sohn David Ellison Paramount Skydance leitet. Ruffalo bezeichnete Larry Ellison als «klassischen Oligarchen» und warf Oracle vor, ein von ihm als Apartheidsystem bezeichnetes Unterdrückungsregime im Gazastreifen technologisch zu unterstützen.
Paramount erklärte daraufhin, Ruffalo bediene antisemitische Stereotype. Auch die Jewish Federation of Greater Los Angeles, das Simon Wiesenthal Center und Creative Community for Peace kritisierten seine Aussagen. Die Verbindung von jüdischem Reichtum, Medienkontrolle, Technologie und globaler Macht greife erkennbare antisemitische Motive auf, erklärte der Gemeindeverband.
Mehr als 170 jüdische Filmschaffende, Künstler, Intellektuelle und Rabbiner wiesen die Vorwürfe dagegen in einem offenen Brief zurück. Zu den Unterzeichnern gehören Joel Coen, Jonathan Glazer, Todd Haynes, Tony Kushner, Hannah Einbinder, Joaquin Phoenix und Debra Winger. Sie sprechen von einer «falschen und gefährlichen Instrumentalisierung» des Antisemitismusvorwurfs. Verbindungen zwischen dem Krieg im Gazastreifen, technologischer Überwachung und der Konzentration von Medienmacht zu benennen, sei kein Antisemitismus, sondern Ausdruck jüdischer ethischer Verantwortung.
Auch George Clooney und Regisseur Kenneth Lonergan verteidigten Ruffalo. Lonergan betonte allerdings, er lehne zahlreiche Positionen seines langjährigen Freundes zu Israel, Gaza und Iran entschieden ab. Die Behauptung, Ruffalo sei Antisemit, sei dennoch absurd.
Die umstrittene Fusion liegt wegen einer kartellrechtlichen Klage von zwölf US-Bundesstaaten und der Writers Guild of America derzeit auf Eis. Ein Gerichtsverfahren ist für März 2027 vorgesehen.