USA 26. Mai 2026

Amerika vor einer Schuldenkrise?

Der Ökonom Jared Bernstein warnt vor Staatsverschuldung. 

Prominenter Ökonom warnt vor rasant steigender Staatsverschuldung.  

Als Wirtschaftsberater der Biden-Regierung und langjähriger Fellow am progressiven Economic Policy Institute zählt Jared Bernstein zu den bekanntesten Ökonomen der USA. Zum gestrigen Gedenktag für Kriegsgefallene – Memorial Day – stellt Bernstein in «The Atlantic» eine Frage, die in den USA zunehmend Nervosität stiftet: «Steuert Amerika auf eine Staatschuldenkrise zu?»

Bernsteins Antwort fällt – wie von einem Fachmann zu erwarten – etwas umständlich, aber letztlich «positiv» aus. Die USA erleben seit der zweiten Bush-Ära einen rasanten Anstieg der Staatsverschuldung auf nun 31 Billionen Dollar und damit dem Umfang der US-Wirtschaft. 2008 lag dieser Anteil noch bei 39 Prozent und 2019 bei 79 Prozent der Wirtschaftsleistung. Gleichzeitig trägt die Schuldenlast aufgrund der ständigen Emission weiterer Staatsanleihen zur Deckung von Schuldzinsen (und sonstigen, aus Steuereinkommen nicht mehr finanzierbaren Ausgaben) bereits zu steigenden Zinsen bei. Bernstein sieht kein Ende dieser explosiven Entwicklung und erwartet, dass «die Kombination aus höheren Defiziten und steigenden Zinsen das Risiko erhöht, dass Kreditaufnahmen teurer werden und die Staatsverschuldung unaufhaltsam in die Höhe treiben.» Er kommt zu dem Schluss: «Dies ist eine Schuldenspirale.»

Akut wird der Trend von Trumps Krieg gegen den Iran getrieben, der die Inflation und damit höhere Zinsen ankurbelt. Dies gilt laut Bernstein querbeet für Kreditzinsen etwa für Hypotheken, Autokredite, Unternehmenskredite oder Modernisierungsdarlehen; was wiederum die Lebenshaltungskosten steigere. Aber je höher die Zinsen auf Staatsanleihen – desto rascher werde die Verschuldung durch die zusätzlichen Kosten für öffentliche Haushalte steigen. 

Bernstein führt diese Spirale letztlich auf die drastischen Steuersenkungen unter dem jüngeren Bush und Trump auf Einkommen, vor allem aber Dividenden, Kapitalerträge, Erbschaften und Gewinne speziell der Finanzwirtschaft zurück. Dazu komme nun der KI-Boom: «dabei entstehen im Technologiesektor Vermögenswerte in Billionenhöhe, die grösstenteils ausserhalb der Reichweite der Steuerbehörden liegen.» Denn das US-Steuerrecht greife primär auf realisierte Einkünfte zu, nicht jedoch auf blosse Zuwächse von Vermögenswerten wie etwa Aktien.

Bernstein führt hier beim Wahlvolk populäre Pläne der Biden-Regierung an, «eine Steuer auf hochvolumige, `nicht realisierte´ Kapitalerträge einzuführen». Dies finde jedoch bei Politikern aus Rücksicht auf die vermögende «Spenderklasse» kaum Interesse. Zudem würden auch Demokraten generell vor breiteren Steuererhöhungen zurückschrecken. Bernstein rät seiner Partei daher mit Blick auf die Zwischenwahlen ab, derartige Forderungen einzubringen. Langfristig führt seiner Ansicht nach daran jedoch kein Weg vorbei – ansonsten drohe auch eine Zahlungsunfähigkeit der US-Regierung bei Staatsanleihen und damit der Kollaps der finanziellen Basis der amerikanischen Vormachtstellung weltweit (https://www.theatlantic.com/ideas/2026/05/national-debt-problem/687257/).

Andreas Mink