USA – Politik 21. Jun 2022

Al Gross wirft das Handtuch

Der Unabhängige gibt Bewerbung für das Kongress-Mandat von Alaska auf.

In der Nacht zum Dienstag hat Al Gross seine Bewerbung für das einzige Mandat Alaskas im Repräsentantenhaus in Washington aufgegeben. Gross empfiehlt seinen Anhängern die Unterstützung der Demokratin Mary Peltola, die einem «First Nation»-Stamm angehört, also Ureinwohnern des 50. Gliedstaates der USA. Über weitere Pläne gab der 59-Jährige keine Angaben. Damit dürfte die Republikanerin Sarah Palin als Gewinnerin der auf den 16. August angesetzten Wahlen fest stehen.

Am 22. Mai fanden in Alaska Vorwahlen für den durch den Tod des langjährigen Abgeordneten Don Young Anfang Jahr freigewordenen Kongress-Mandats statt. Der Republikaner Young hatte den einzigen Sitz des nördlichsten Gliedstaats seit 1972 im Repräsentantenhaus vertreten. 40 Personen bewarben sich um das Mandat. Dabei hatte Sarah Palin mit 30 Prozent den mit Abstand grössten Anteil errungen. Als ex-Gouverneurin, Kandidatin für die Vizepräsidentschaft im Jahr 2008 und Reality-TV-Star gilt die Republikanerin als Vorläuferin von Donald Trump. Dieser unterstützt Palins Kandidatur. Hinter hatten der Republikaner Nick Begich mit knapp 20 Prozent, Al Gross mit knapp 13 und Mary Peltola mit acht Prozent platziert. 

Gross galt zunächst als starker Gegner für Palin. Der Arzt aus Anchorage ist 2020 bei Senatswahlen gescheitert, hat seinerzeit jedoch landesweit Spender und Aktivisten begeistert (Link). Gross wurde 1962 in Alaska als Sohn des aus New York zugewanderten Juristen Avrum Gross (1936-2018) geboren. Dieser brachte es als Demokrat zum Justizminister in Alaska und war 1976 wesentlich an der Schaffung des «Alaska Permanent Fund» beteiligt, der Lizenz-Gebühren der Öl- und anderer Rohstoff-Industrien einnimmt und teilweise auch direkt an Bürger ausschüttet. Al Gross ist seit Jugendtagen als kommerzieller Fischer aktiv, studierte Medizin und führt eine Praxis als orthopädischer Chirurg in Juneau (Link).

Andreas Mink