Hilla Medalia 06. Mär 2026

Debatte

Die israelische Filmemacherin Hilla Medalia steht mit ihrem Dokumentar-Kurzfilm «Children No More: Were and Are Gone» im Rennen um einen Oscar und zugleich im Zentrum einer kontroversen Debatte. In dem Film richtet sie den Blick auf palästinensische Kinder, die im Krieg in Gaza getötet wurden. Medalia verteidigt diesen Fokus entschieden: Es gehe ihr nicht um politische Anklage, sondern um Empathie. Ausgangspunkt des Films sind stille Mahnwachen israelischer Aktivisten, die Fotos der getöteten Kinder zeigen. Medalia begleitet sie und macht deutlich, dass hinter jeder Zahl ein individuelles Leben steht. Gerade in einem Krieg, der von Statistiken, militärischen Analysen und politischen Parolen dominiert werde, drohe das menschliche Gesicht zu verschwinden. Ihr Film wolle diesen Moment des Innehaltens erzwingen. In Israel hat das Werk unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Manche loben den humanistischen Ansatz und den Mut, auch das Leid der anderen Seite sichtbar zu machen. Andere werfen Medalia vor, die komplexe Realität des Konflikts zu verkürzen. Sie selbst betont, dass Mitgefühl kein Nullsummenspiel sei: Das Gedenken an getötete Kinder bedeute nicht, anderes Leid zu relativieren. Mit ihrer Nominierung rückt Medalia nicht nur als Regisseurin ins internationale Rampenlicht, sondern auch als Stimme, die inmitten eines hoch polarisierten Diskurses auf die Verletzlichkeit von Kindern verweist.

Emily Langloh