KOALITION 07. Dez 2017

Der Skandal-Star der Woche

Binyamin Netanyahu und David Bitan (r.) 
werden beide ver-dächtigt, eine Rolle im Korruptionsskandal zu spielen.

Das Korruptionskarussell dreht sich weiter und nun steht David Bitan, Koalitions­vorsitzender der Likud-Partei im Verdacht, Bestechungsgelder aus dem Kreis der Gruppe des organisierten Verbrechens entgegengenommen zu haben

Am wahrlich nicht unter Beschäftigungsarmut leidenden israelischen Skandalhimmel­ leuchtet spätestens seit dieser Woche ein neuer Name in grellen Lettern: David Bitan, Koalitionsvorsitzender von Premier Binyamin­ Netanyahus Likud-Partei. Der aus Rishon Lezion stammende Bitan wurde zwar (noch?) nicht verhaftet, doch aus seinem­ engeren Umfeld ereilte dieses Schicksal am Sonntag im Zuge eines polizeilichen «Reinemachens»­ in einem Korruptionsfall nicht weniger als 17 hochrangige Offizielle. Am Montag kamen fünf weitere Verdächtigte hinzu. Pikanterweise ist auch Chagit Bitan, die Gattin des Abgeordneten David Bitan, bereits mehrere Stunden verhört worden, da laut Medienberichten auf ihren Konti rund zwei Millionen Schekel «aufgetaucht» sein sollen, über deren Ursprung Ungewissheit herrscht. Chagit Bitan, die unter Haus­arrest gestellt worden sei und sich mit ihrem Gatten angeblich nicht unterhalten darf, behauptet, nichts über die Herkunft der rätselhaften Gelder zu wissen. Da müsse man sich schon an ihren Gatten halten. Der Fall schliesst Vorwürfe gegen Offizielle der Stadtverwaltung von Rishon Lezion ein, gegen Geschäftsleute, aber auch gegen Figuren des organisierten Verbrechens. Zu dieser Gruppe gehört vor allem der am Montag verhaftete Hussam Jarushi, der im Verdacht steht, über eine Drittperson Gelder an Bitan kanalisiert zu haben.



Schwerer Verdacht
Laut einem TV-Bericht dementiert Bitan aber jeglichen Kontakt zur Familie Jarushi. Der Likud-Fraktionschef, der selber am Sonntag während nicht weniger als 13 Stunden verhört worden ist, dementiert, wie gesagt, jeglichen Kontakt zur Szene des organisierten Verbrechens, was auch zu erwarten war. Freiwillig pflegen höchstens Polizeibeamte derartige Kontakte einzugestehen, und in der Regel haben die Ordnungshüter durchaus legitime Gründe für solche Kontakte. Führen wir an dieser Stelle doch noch die Verdachtsmomente an, die sich inzwischen gegen den Likud-Franktionschef ergeben haben: Annahme von Bestechungsgeldern, Geldwäscherei, Betrug und Vertrauensmissbrauch. Wie um seine Unschuld in der Praxis zu beweisen, nahm Bitan am Montag wie üblich an Knessetsitzungen teil und dementierte alle Gerüchte über seinen wegen der anlaufenden Untersuchungen beabsichtigten Rücktritt aus dem parlamentarischen Leben des Landes. Eine solche Botschaft habe er nie ausgeschickt, wird er am Dienstag in der «Jerusalem Post» zitiert. Eine andere Äusserung als die hier sinngemäss zitierte wurde zum jetzigen Zeitpunkt des Geschehens von Bitan auch gar nicht erwartet, gehören Dementi und Leugnungen doch ganz instinktiv zu den hauptsächlichen Argumentationslinien von Verdächtigten – in diesem frühen Stadium der sich jagenden Gerüchte zumindest. Wiederholen wir es: David Bitan steht im Verdacht, Bestechungsgelder aus dem Kreis der Gruppe des organisierten Verbrechens entgegengenommen zu haben, damit er einem nicht näher genannten Geschäftsmann die Ausschreibung für ein Projekt zuschanzt.



Netanyahu auch im Visier
Logisch und nicht überraschend ist es zum jetzigen Zeitpunkt, dass David Bitan seinen Verhörbeamten gegenüber leugnet, je Bestechungsgelder angenommen oder Geld gewaschen zu haben. Auch die Familie Jarushi kenne er nicht. Es sei durchaus logisch, dass Leute, die ihn hassten, Gerüchte über ihn verbreiteten. Aus Netanyahus Sicht kommt das schiefe Licht, in das Bitan geraten ist, so ungelegen gar nicht, fühlte der Premier sich offenbar seit geraumer Zeit schon nicht wohl bei der möglicherweise geringen Qualität der Beratungen, die Bitan (viel zu lange schon laut «Jerusalem Post») ihm zuteil hat werden lassen. Allerdings scheint der Premier selber auch nicht aus dem Schneider zu sein. Am Dienstag wussten die Medien von Geldern zu berichten, die Michael Ganor, Kronzeuge der Anklage in der U-Boot-Affäre, auf einem Konto der Credit Suisse in der Schweiz deponiert haben soll. Begünstigter soll der Star­anwalt und Netanyahu-Intimus David Shimron gewesen sein. Die Verwerfungen und die Erwartungsangst im israelischen Korruptionskarussell scheinen noch lange nicht ausgestanden zu sein.
 

 

Jacques Ungar