Bergen-Belsen 06. Feb 2026

Kritik an Bahn-Plänen

Pläne der Deutschen Bahn für eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Hamburg und Hannover stossen auf scharfe Kritik von Holocaust-Gedenkstätten, Überlebenden und Menschenrechtsaktivisten. Die vorgeschlagene Trassenführung würde weniger als 400 Meter entfernt an der historischen Verladerampe des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen vorbeiführen – jenem Ort, an dem während der Nazi-Herrschaft Tausende Menschen, darunter viele Jüdinnen und Juden, mit Zügen angeliefert wurden. Die Verladerampe gilt als eines der wenigen authentischen Zeugnisse der Deportationslogistik der Deutschen Reichsbahn, dem Vorläufer der heutigen Deutschen Bahn. Auf dieser Rampe wurden Häftlinge nach langen und entsetzlichen Deportationsfahrten aus den Zügen geladen und mussten einen mehrere Kilometer langen Marsch ins Lager bewältigen. Viele starben an Typhus, Unterernährung oder wurden von SS-Wachen brutal misshandelt. 120 000 Menschen wurden aus zahlreichen europäischen Ländern nach Bergen-Belsen deportiert, darunter auch Anne Frank. Kritiker warnen, dass Bauarbeiten nicht nur die historische Substanz gefährden, sondern auch die Würde des Gedenkortes verletzen könnten. Die Leiterin der Gedenkstätte Bergen-Belsen sowie Erinnerungspolitikerinnen fordern daher, die Trasse weiter vom Rampengelände entfernt zu planen – mindestens ein Kilometer Abstand sei nötig, um sowohl örtliche Zeugnisse als auch erklärende Bildungsarbeit nicht zu beeinträchtigen.

Redaktion