ISRAEL 17. Jul 2026

Ist Lionel Messi ein Zionist?

Lionel Messi, damals beim FC Barcelona, steckt während einer Mannschaftsreise nach Israel und ins Westjordanland am 4. August 2013 in Jerusalem einen Zettel mit Wünschen in eine Spalte der Klagemauer.

Argentinien hat mit Lionel Messi den Einzug in den WM-Final erneut geschafft während in Israel viele für die Mannschaft fiebern – hier die Hintergründe.

Die argentinische Fussballikone Lionel Messi, der weithin als einer der grössten Spieler in der Geschichte dieses Sports gilt, hat eine der erfolgreichsten Karrieren im Fussball aufgebaut. Während seiner glanzvollen Karriere hat Messi ein zurückhaltendes öffentliches Image gepflegt und sich selten zu politischen Themen geäussert. Doch der 39-Jährige sorgte gelegentlich für Schlagzeilen, weil er seine Unterstützung für jüdische Anliegen und israelische Unternehmen zum Ausdruck brachte – und manchmal auch, weil er ohne eigenes Verschulden in die angespannte geopolitische Lage im Nahen Osten hineingezogen wurde. Beispielsweise behauptet eine ursprünglich aus Argentinien stammende Grossmutter, er habe ihr das Leben gerettet, als ihr israelischer Kibbuz am 7. Oktober 2023 angegriffen wurde.

Messis Vergangenheit ist während der diesjährigen Weltmeisterschaft, bei der Argentinien am Samstagabend im Viertelfinal gegen die Schweiz antrat, wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Einige Kritiker Israels haben seine früheren Aktivitäten und Verbindungen hervorgehoben, um zu argumentieren, dass ein Eintreten gegen Argentinien die antizionistische Wahl sei. Viele Israelis unterstützen die Mannschaft. Werfen wir einen Blick auf zehn Momente aus Messis Karriere in chronologischer Reihenfolge, in denen er und sein Ruhm durch öffentliche Auftritte, Friedensinitiativen und Kontroversen mit jüdischer und israelischer Kultur in Berührung kamen.

Gruss an Maccabi
Im Juli 2013 sandte Messi einen Gruss an die argentinische Maccabiah-Mannschaft, bevor die nationale Delegation zu den sogenannten jüdischen Olympischen Spielen nach Israel aufbrach. Es war nicht das erste Mal, dass er seine Unterstützung für die jüdische Gemeinde seines Landes bekundete – 2011 beteiligte er sich an einer Kampagne für Gerechtigkeit und zum Gedenken an die Opfer des Bombenanschlags auf das jüdische Zentrum AMIA im Jahr 1994, bei dem in Buenos Aires 85 Menschen ums Leben kamen.

Besuch der Klagemauer
Einen Monat später besuchte er die Klagemauer im Rahmen einer «Friedensreise» mit dem FC Barcelona, dem berühmten spanischen Verein, bei dem Messi den Grossteil seiner Karriere verbrachte. Der Verein veranstaltete Fussball-Workshops für israelische und palästinensische Kinder und traf sich mit dem Jerusalemer Bürgermeister Nir Barkat, Präsident Shimon Peres und Ministerpräsident Binyamin Netanyahu.

Friedensspiel in Rom
Im September 2014 unterstützte Messi ein «Friedensspiel» in Rom, das von Papst Franziskus organisiert wurde, um den Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zu fördern. Aufgrund einer Verletzung spielte er jedoch nicht mit. Die argentinische Fussballlegende Diego Maradona und der israelische Spieler Yossi Benayoun nahmen ebenfalls teil, ebenso wie Stars aus Russland, Kamerun, Italien, Frankreich und Brasilien.

Antisemitische Beschimpfungen
Im Jahr 2016 wurde Messi von ägyptischen Amtsträgern als «Jude» und «Zionist» beschimpft, nachdem er seine Fussballschuhe einer Wohltätigkeitsorganisation in Ägypten gespendet hatte. Der damalige Sprecher des ägyptischen Fussballverbands, Azmi Mogahed, rief in einer Sendung an, um Messi zu kritisieren: «Ich weiss, dass er Jude ist, er hat an Israel gespendet und die Klagemauer besucht und was auch immer. (…) Wir brauchen seine Schuhe nicht, und die Armen in Ägypten brauchen keine Hilfe von jemandem mit jüdischer oder zionistischer Staatsangehörigkeit.»

Drohungen
Im Juni 2018 sagte die argentinische Nationalmannschaft ein Freundschaftsspiel gegen die israelische Nationalmannschaft ab, nachdem Druck seitens der BDS-Bewegung ausgeübt worden war. Eine von BDS Argentina unterstützte Boykottkampagne wurde unter dem Motto «Argentinien, geh nicht» oder #ArgentinaNoVayas gestartet. Die israelische Botschaft in Buenos Aires twitterte, das Spiel sei aufgrund «der Drohungen gegen Messi, die logischerweise die Solidarität seiner Mannschaftskameraden hervorgerufen haben», abgesagt worden.

Suspendierung
Zwei Monate später sperrte die FIFA den Vorsitzenden des palästinensischen Fussballverbands wegen Drohungen gegen Messi. Jibril Rajoub, der sich für Massnahmen der FIFA gegen Israel eingesetzt hatte, wurde für ein Jahr gesperrt, nachdem er die Fans dazu aufgefordert hatte, Fotos und Spielertrikots zu verbrennen, falls Messi oder die argentinische Nationalmannschaft zu dem abgesagten Freundschaftsspiel erschienen wären.

Spiele in Tel Aviv
Im Jahr 2019 kündigte die argentinische Fussballnationalmannschaft an, im November desselben Jahres ein Freundschaftsspiel gegen Uruguay in Tel Aviv zu bestreiten, nachdem das Spiel ein Jahr zuvor abgesagt worden war. Das Spiel geriet erneut ins Visier der BDS-Bewegung, wobei Demonstranten vor einem Trainingslager in Barcelona protestierten und Messi aufforderten, nicht teilzunehmen. Trotz des Widerstands fand das Spiel wie geplant statt, wobei Messi ein Tor vor ausverkauftem Haus mit 29 000 Fans erzielte – darunter der israelische Präsident und Fussballfan Reuven Rivlin – im Bloomfield-Stadion. Messi kehrte 2022 zweimal mit Paris Saint-Germain nach Israel zurück und besiegte Maccabi Haifa in zwei Champions-League-Spielen.

Markenbotschafterfür israelische Unternehmen
Im Jahr 2020 unterzeichnete Messi einen Dreijahresvertrag, um Markenbotschafter für das israelische Unternehmen Or Cam zu werden, das Geräte zur Unterstützung von Sehbehinderten herstellt. Es war nicht das erste Mal, dass er für ein israelisches Unternehmen warb: Im Dezember 2017 engagierte ihn das in Tel Aviv ansässige Unternehmen Sirin Labs als globalen Botschafter.

Am 7. Oktober 2023 erwähnte die 90-jährige Bewohnerin des Kibbuz Nir Oz, Esther Cunio, gegenüber einem Hamas-Terroristen, der gekommen war, um sie zu entführen, den Namen Messi und rettete damit wahrscheinlich ihr Leben. Während des Angriffs fragte Cunio den Angreifer, ob er Fussball möge, bevor sie ihm sagte: «Ich komme aus derselben Gegend wie Messi.» Cunio appellierte daraufhin an Messi, bei der Rettung ihres Enkels zu helfen.

Die jüdische Fussball-Lobby
Letzten Monat, nachdem Messi bei einem 3:0-Sieg Argentiniens gegen Algerien bei der Weltmeisterschaft einen Hattrick erzielt hatte, machte ein algerischer Kommentator die «jüdische Lobby» für eine umstrittene Nichtentscheidung bei einem möglichen Elfmeter verantwortlich, der gegen Messi hätte gepfiffen werden können. «Messi wird von der jüdischen Lobby geschützt», sagte der Analyst Mustafa Mazzouzi. «Diese Lobby kontrolliert die Welt, sie lenkt sie nach Belieben, als wäre sie die Mafia. Infantino will nicht, dass wir gut abschneiden.» Er fügte hinzu: «Wir vertreten politische Standpunkte in Bezug auf die Westsahara und die Palästina-Frage, und deshalb wollen sie nicht, dass wir gut abschneiden.» An anderer Stelle deutete ein palästinensischer TikTok-Content-Ersteller mit über 350 000 Followern an, dass Argentinien es verdient habe, die Weltmeisterschaft zu verlieren, wegen Messis Verbindungen zu Israel.

Messi trägt die Rückennummer zehn – die normalerweise dem besten Spieler eines Fussballvereins vorbehalten ist –, aber da elf Spieler auf dem Platz stehen, fügen wir noch einen Bonus hinzu. Die Zionistische Weltorganisation verwendete in einem hebräischen Lehrvideo aus dem Jahr 2020 ein Wortspiel mit Messi und erklärte, dass das hebräische Wort «mesibah», «Party» oder auf Spanisch «fiesta» bedeutet. Auf Spanisch klingt das wie «Messi va» («Messi geht»). Mit anderen Worten: «Wenn Messi geht, ist Party angesagt.»

Juan Melamed