Der israelische Regisseur Nadav Lapid hat seine Teilnahme am Filmfestival Marseille abgesagt. Der 51-Jährige sollte im Juli Mitglied der Festivaljury sein. Nachdem Aktivisten wegen seiner Einladung zum Boykott aufgerufen hatten und mehrere Filmschaffende ihre Werke zurückzogen, entschied sich Lapid zum Rückzug. Festivaldirektorin Tsveta Dobreva erklärte, Lapid sei ausschliesslich aufgrund seines filmischen Schaffens eingeladen worden. Der Druck auf das Festival habe jedoch stetig zugenommen. Schliesslich hätten rund zehn Regisseurinnen und Regisseure ihre Filme aus dem Programm genommen, um gegen seine Beteiligung zu protestieren. Lapid gilt als einer der bedeutendsten israelischen Filmemacher der Gegenwart. Internationale Bekanntheit erlangte er mit «Synonymes», das 2019 den Goldenen Bären der Berlinale gewann. Sein Film «Aheds Knie» wurde 2021 in Cannes ausgezeichnet. Gleichzeitig ist er ein scharfer Kritiker der israelischen Regierung. Auch sein jüngster Film «Yes» setzt sich kritisch mit der Politik Israels auseinander. Der in Frankreich lebende Regisseur erklärte, er habe sich zurückgezogen, um das Festival nicht weiter zu belasten. Zugleich zeigte er sich besorgt über die Entwicklung. Nachdem zunächst seine Filme kritisiert worden seien, sei nun bereits seine blosse Anwesenheit unerwünscht. Unterstützung erhielt Lapid von zahlreichen Filmschaffenden. In einem offenen Brief verteidigten mehr als 300 Persönlichkeiten, darunter Natalie Portman und die Regisseure Jacques Audiard und Justine Triet, seine Teilnahme. Sie warnten davor, Künstler aufgrund ihrer Herkunft auszugrenzen. Ein Filmfestival, so die Unterzeichner, würdige ein künstlerisches Werk, nicht die Politik eines Staates.
Nadav Lapid
19. Jun 2026
Boykott
Emily Langloh