Demokraten sammeln sich um Abdul El-Sayed; Wahlerfolg des Israel-Kritikers beruht anscheinend nicht zuletzt auf arabisch-muslimischen Stimmen.
Der knappe Sieg von Abdul El-Sayed bei den demokratischen Senats-Vorwahlen in Michigan am Dienstag schürt die ohnehin hitzige Debatte in der Partei über die amerikanische Unterstützung für Israel – und damit auch die Rolle von AIPAC in der amerikanischen Politik. Di pro-israelische Organisation hatte enorme 30 Millionen Dollar in die Kampagne gegen den Arzt und Israel-Kritiker ägyptischer Herkunft gesteckt. El-Sayed wirft Israel «Völkermord» in Gaza und «Apartheid» auf der besetzten Westbank vor. Laut dem ex-Abgeordneten Andy Levin aus Michigan – der seine eigene Vorwahl 2022 aufgrund massiver AIPAC-Ausgaben gegen Stevens verloren hatte – sind demokratische Wähler zunehmend frustriert über den Einfluss von Interessengruppen generell. El-Sayed sei es gelungen, die Ablehnung von AIPAC in eine politische Siegesformel zu verwandeln.
Gleichwohl ist AIPAC laut dem «Forward» entschlossen, nach der «knappen und schmerzhaften Niederlage» weiter gegen die «gefährliche Politik, die El-Sayed in den US-Senat einbringen will» anzuarbeiten. Für AIPAC sei dies ein «Generationenkonflikt», so Kaminetsky in einem neuen Spenden-Appell: «Unsere Überzeugung bemisst sich nicht an einem einzelnen Wahlkampf oder einem einzigen Wahlzyklus… Wenn wir zu Boden geworfen werden, stehen wir sofort wieder auf und kämpfen weiter». Nun sei es «an der Zeit, unsere Anstrengungen zu verdoppeln» (Link).
Derweil sammeln sich die Demokraten um El-Sayed. Dieser hat bereits am Freitag mit Barack Obama telefoniert. Der ex-Präsident ist inzwischen die einzige Persönlichkeit, um die sich einzelnen Gruppen und Fraktionen der Partei noch scharen können. Das Gespräch verlief anscheinend freundlich und mit Fokus auf die Notwendigkeit, den Republikaner Mike Rogers bei den Wahlen im November zu schlagen und damit die Kontrolle über den US-Senat zu erlangen.
Obama hatte sich aus den Vorwahlen in Michigan herausgehalten. El-Sayed würdigt ihn als Motivation für das eigene Engagement in der Politik. Er habe als Student Obamas Rede auf dem Parteitag der Demokraten 2004 verfolgt und Politik daraufhin in einem neuen Licht gesehen: «Ich wusste gar nicht, dass Politik so aussehen oder klingen kann.» Gleichzeitig hat El-Sayed den ex-Präsidenten als zu moderat und zögerlich kritisiert. Nach dem Telefonat gab er sich indes begeistert und als Fan, der mit seinem «Helden» gesprochen habe (Link).
Inzwischen werden neue Zahlen aus Michigan bekannt, die einen Schatten auf den Optimismus der Linken werfen: Demnach steht El-Sayed kaum für einen Durchbruch der Linken in den Mainstream und hat seinen knappen Erfolg von kaum einem Prozent Stimmen nicht einer Koalition von Linken und Jungen (und gebildeten Weissen) zu verdanken – sondern arabisch-amerikanischen Gemeinschaften. Diese stellen in Michigan mit etwa 300.000 Mitgliedern rund drei Prozent der Bevölkerung und haben zu 94 Prozent für El-Sayed gestimmt (Link).