Ende eines langwierigen Dramas vor New Yorker Gericht.
Am Mittwoch hat Richter Curtis Farber vom obersten Gericht des Gliedstaats New York in Manhattan den ehemaligen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein wegen einer schweren Sexualstraftat zu 15 Jahren Haft verurteilt. Damit endet ein seit Jahren laufendes Strafverfahren gegen Weinstein in New York.
Der heute 74-jährige Weinstein war im vergangenen Jahr schuldig gesprochen worden, 2006 im Schlafzimmer seiner Wohnung in SoHo seine Produktionsassistentin Miriam Haley vergewaltigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft von Manhattan hatte eine Haftstrafe von 20 Jahren gefordert, während seine Verteidiger auf neun Jahre plädiert hatten.
Bei der Urteilsverkündung erklärte Richter Farber, Weinstein sei «König in einer Branche» gewesen, in der viele nach Erfolg strebten; er habe eine überragende Rolle dabei gespielt, zu entscheiden, wessen Träume sich erfüllten und wessen zerstört wurden.
Weinstein wurde 2020 erstmals wegen Sexualstraftaten in New York und später auch in Kalifornien angeklagt und bereits mehrfach schuldig gesprochen. Er sitzt momentan bereits eine lange Haftstrafe in New York ab. Der erste Prozess markierte einen Höhepunkt der «MeToo»-Bewegung. Nun erklärte der 74-Jährige in dem Gerichtssaal in Lower Manhattan, er sei «kein perfekter Mensch» und entschuldige sich bei all jenen, denen er durch sein Handeln möglicherweise Leid zugefügt habe: «Ich empfinde Reue angesichts des Leids von Miriam Haley.» Gleichzeitig betonte er seine Unschuld.
Haley bezeichnete das Strafmass auf einer Pressekonferenz nach der Anhörung als fair. Dennoch sagte sie: «Für mich persönlich wird es niemals gerecht sein.» Haley hatte bereits vor sechs Jahren in dem Prozess gegen Weinstein ausgesagt, der zu seiner ersten Verurteilung in New York führte. Ein Berufungsgericht hob dieses Urteil jedoch vier Jahre später auf, da Weinstein kein faires Verfahren gewährt worden sei. Die Richter ordneten eine Neuverhandlung an.
In einem zweiten Prozess im vergangenen Jahr wurde Weinstein erneut wegen eines einzelnen Anklagepunkts – einer sexuellen Straftat an Haley – schuldig gesprochen. Die Geschworenen konnten sich jedoch hinsichtlich eines weiteren Anklagepunkts nicht einigen, und in einem dritten Punkt wurde Weinstein freigesprochen. Richter Farber ordnete eine Neuverhandlung an.
Auch bei einem dritten Prozess Anfang dieses Jahres konnten sich die Geschworenen hinsichtlich des Vorwurfs der Vergewaltigung einer angehenden Schauspielerin, Jessica Mann, nicht einigen. Die Staatsanwaltschaft von Manhattan beantragte daraufhin die Einstellung des verbleibenden Verfahrens gegen Weinstein. Damit verblieben nurmehr die Vorwürfe von Haley vor Richter Farber.
In ihren Stellungnahmen argumentierten Weinsteins Anwälte, dass das fortgeschrittene Alter ihres Mandanten, seine zahlreichen gesundheitlichen Probleme sowie die Tatsache, dass er bereits seit sechs Jahren in Haft sitze, eine Strafe von neun Jahren rechtfertigten. Weinstein nehme täglich 20 verschiedene Medikamente, unter anderem gegen Blutkrebs, Herzinsuffizienz und Nierenerkrankungen (Link).