Luzern 01. Jul 2026

Eine grosse Förderin der Moderne

Kunstsammlerin, Galeristin und Museumsgründerin Angela Rosengart im Jahr 2005.

Die Kunstsammlerin Angela Rosengart und ist gestorben.  

Die Luzerner Kunstsammlerin, Galeristin und Museumsgründerin Angela Rosengart ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Mit ihr verliert die Schweiz eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Kunstwelt und eine Vermittlerin der klassischen Moderne, die während Jahrzehnten enge persönliche Beziehungen zu den wichtigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts pflegte.

Angela Rosengart entstammte einer jüdischen Kunsthändlerfamilie. Ihr Vater, der aus München stammende Kunsthändler Siegfried Rosengart, liess sich in Luzern nieder und baute dort eine Galerie auf, die zu den bedeutendsten Adressen für die Kunst der Moderne wurde. Die Familie war eng mit der deutsch-jüdischen Kunsthändlertradition verbunden; zu ihren Verwandten gehörte der legendäre Münchner Galerist Heinrich Thannhauser, der massgeblich zur internationalen Anerkennung der Moderne beitrug und zahlreiche Werke jüdischer und europäischer Künstler vermittelte.

Bereits als Jugendliche arbeitete Angela Rosengart in der Galerie ihres Vaters mit. 1957 wurde sie Teilhaberin und führte nach dessen Tod dessen Lebenswerk weiter. Gemeinsam trugen Vater und Tochter eine aussergewöhnliche Sammlung zusammen, die heute Werke von Pablo Picasso, Paul Klee, Marc Chagall, Henri Matisse, Joan Miró, Paul Cézanne, Claude Monet, Fernand Léger und weiteren bedeutenden Künstlern umfasst.

Besonders eng war ihre Beziehung zu Pablo Picasso, den sie während Jahrzehnten rund fünfzig Mal persönlich besuchte. Der Künstler porträtierte Angela Rosengart mehrfach und schenkte ihr zahlreiche Zeichnungen. Ebenso eng war ihre Freundschaft mit Paul Klee. Durch ihre Verbindung zur Familie Klee und ihre intensive Beschäftigung mit seinem Werk entstand eine der weltweit bedeutendsten privaten Klee-Sammlungen. Heute gilt das Museum Sammlung Rosengart in Luzern als eines der wichtigsten Zentren für das Werk Klees ausserhalb öffentlicher Staatsmuseen.

1992 gründete Angela Rosengart die Stiftung Rosengart, um die Sammlung dauerhaft zu sichern. Zehn Jahre später eröffnete sie das Museum Sammlung Rosengart im ehemaligen Gebäude der Schweizerischen Nationalbank in Luzern. Bereits zuvor hatten sie und ihr Vater der Stadt Luzern mehrere bedeutende Werke geschenkt. Mit dem Museum schuf sie einen Ort, an dem nicht nur Meisterwerke der Moderne bewahrt werden, sondern auch die persönlichen Beziehungen zwischen Künstlern, Sammlern und Kunsthändlern sichtbar bleiben.

Mit Angela Rosengart verliert die Schweiz eine der letzten Zeitzeuginnen jener Generation, die Künstler wie Picasso, Klee, Chagall oder Miró noch persönlich kannte. Ihr Lebenswerk machte Luzern zu einem international beachteten Ort der klassischen Moderne und bewahrte zugleich ein wichtiges Kapitel jüdischer Kultur- und Kunstgeschichte in Europa.