Angesichts der zunehmend einseitigen Berichterstattung über Israel hat die Zentralvereinigung Schweiz-Israel einen neuen Verein gegründet.
Seit dem 7. Oktober schlagen viele von uns die Zeitung mit einer gewissen Besorgnis auf, aus Angst, eine weitere Verurteilung Israels oder des jüdischen Volkes zu entdecken. Die Situation der Westschweizer Presse in Bezug auf diese Themen ist mittlerweile ebenso besorgniserregend wie inakzeptabel. Die Berichterstattung über Israel hat sich erheblich verschärft, sowohl in der Westschweiz als auch anderswo in Europa und in den Vereinigten Staaten, während der Antisemitismus einen alarmierenden Anstieg verzeichnet. Wenn Hassreden zur Normalität werden, wird die Gefahr, dass sie in Taten umschlagen, sehr real.
Verzerrte Darstellungen
In der Schweiz ist der Kontrast frappierend. Während in der Deutschschweiz die grossen Medien im Allgemeinen einen relativ ausgewogenen Ansatz beibehalten, ist die Situation in der Westschweiz weitaus besorgniserregender und gefährlicher. Hinzu kommt eine beunruhigende Annäherung zwischen bestimmten linksextremen Bewegungen und bestimmten islamistischen Strömungen sowie eine zu grosse Toleranz gegenüber wiederholten Demonstrationen in unseren Innenstädten, bei denen die Parolen sich nicht mehr darauf beschränken, die israelische Regierung oder ihre Politik zu kritisieren, sondern manchmal die Existenz Israels selbst infrage stellen.
Die Coordination intercommunautaire contre l’antisémitisme et la diffamation, die im Kampf gegen den Antisemitismus eine wesentliche Rolle spielt, wird selbst von bestimmten Politikern ins Visier genommen. Was bestimmte Medien betrifft, darunter «Le Temps», so erscheint deren Berichterstattung über Israel allzu oft unausgewogen oder unzureichend kontextualisiert und grenzt an Aufstachelung zum Hass. Diese Situation, in der die mediale Debatte in der Westschweiz allzu oft einseitig erscheint, darf nicht länger unbeantwortet bleiben.
Neue Initiative
Die Zentralvereinigung Schweiz-Israel hat zusammen mit ihren Sektionen in Genf und im Kanton Waadt, mit der Unterstützung zahlreicher Freiwilliger, die Association Suisse-Israël Romandie communication (ASIRCOM) gegründet. Der gemeinnützige Verein hat seine Tätigkeit in diesem Sommer mit klaren Zielen aufgenommen: Desinformation über Israel sowie Formen des Antizionismus zu bekämpfen, die in Delegitimierung, Dämonisierung oder Antisemitismus umschlagen; systematisch auf Falschinformationen über Israel in den Medien und in den sozialen Netzwerken zu reagieren und, falls erforderlich, durch rechtliche Schritte für fundierte, überprüfte und kontextbezogene Informationen zu sorgen; die Medien und die Bürger, insbesondere junge Menschen, für ein ausgewogeneres Verständnis der Zusammenhänge zu sensibilisieren und ein Israel zu zeigen, das sich nicht nur auf Krieg beschränkt, indem die Beiträge des Landes in den Bereichen Wissenschaft, Technologie, Medizin, Kultur und zum Wohle der Menschheit hervorgehoben werden.
Dank gebührt hierbei Michal Kalfon, Koordinatorin von ASIRCOM, den Mitgliedern des Vorstands für ihr Engagement und den ehrenamtlichen Helfern und grosszügigen Spendern, die dem Verein ermöglicht haben, diese Arbeit aufzunehmen. Dieser Kampf betrifft uns alle: Juden und Nichtjuden, Freunde Israels und, im weiteren Sinne, alle, denen eine demokratische Gesellschaft am Herzen liegt, die auf Fakten, Dialog und Respekt basiert. Ich lade daher alle, die dieses Anliegen teilen, ein, sich uns anzuschliessen – als Freiwillige, Sponsoren oder Spender.
Am Vorabend von Rosch Haschana möchte ich auch über Hoffnung sprechen. Heute besteht ein auffälliges Paradoxon. Während wir in Europa und den Vereinigten Staaten eine zunehmende Polarisierung rund um Israel und ein besorgniserregendes Wiederaufleben des Antisemitismus beobachten, glauben wichtige Kräfte im Nahen Osten trotz des Krieges und seines schrecklichen Leidens weiterhin an den Dialog, die regionale Zusammenarbeit und den wirtschaftlichen Wohlstand als Instrumente des Friedens.
Hoffnungsträger
Die Abraham-Abkommen haben gezeigt, dass diese Annäherung möglich ist. Der Wirtschaftskorridor Indien-Nahost-Europa, welcher Indien über den Nahen Osten – insbesondere über die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Jordanien und Israel – mit Europa verbinden soll, könnte langfristig die wirtschaftlichen und zwischenmenschlichen Beziehungen in der Region tiefgreifend verändern. Das stelle ich auch in meiner Tätigkeit im Rahmen des Aladin-Projekts fest, das muslimische, christliche und jüdische Führungskräfte in einer gemeinsamen Überzeugung vereint: Das Kennenlernen des Anderen, Bildung und gemeinsame Projekte können dazu beitragen, Hass zurückzudrängen und die Völker einander näherzubringen. Zu den konkreten Initiativen gehören insbesondere «Football Against Hate», das gemeinsam mit grossen europäischen Vereinen entwickelt wurde, um Hass und Vorurteile durch den Sport zu bekämpfen, sowie ein Projekt namens «Erasmus des Nahen Ostens», das den Austausch und die Mobilität von Studierenden aus der Region fördern soll. Diese Initiativen sind Träger der Hoffnung und verdienen unser Engagement und unsere Unterstützung. Wir müssen weiterhin daran glauben, dass ein friedlicherer, kooperativerer und wohlhabenderer Naher Osten möglich ist. Gleichzeitig müssen wir angesichts des zunehmenden Extremismus in Europa und den Vereinigten Staaten jedoch äusserst wachsam bleiben. Unsere Zivilgesellschaften dürfen angesichts der Verharmlosung des Hasses nicht tatenlos zusehen, ganz gleich, ob dieser sich gegen Juden, Israel oder die Grundlagen unserer Demokratien richtet. Lasst uns zusammenkommen. Lasst uns für uns einstehen. Lasst uns handeln. Handeln wir für «tikkun olam», für den Dialog, für den Frieden und dafür, gemeinsam eine bessere Zukunft aufzubauen.