zur lage in israel 20. Mär 2026

Gefahr für Israels Bildungspolitik

Nach meiner Pensionierung erfüllte ich mir einen alten Traum und studierte Jura. Während meines Praktikums arbeitete ich an Insolvenzfällen und war beeindruckt davon, wie oft scheinbar vernünftige Menschen und Organisationen unvernünftige finanzielle Entscheidungen treffen, die nicht nur die Gegenwart prägen, sondern auch die Zukunft belasten können.

Ein Grossteil dieses Verhaltens rührt von der unbegründeten Mentalität: «Keine Sorge, wird schon alles gut». Hier tausend verschwendet, dort leichtfertig investiert – die Beträge summieren sich und die Folgen können verheerend sein. Die Lektion ist einfach, aber entscheidend: Vermögen, das nicht verantwortungsbewusst verwaltet wird, ist irgendwann aufgebraucht.

Vor diesem Hintergrund gebührt Israels Bildungsminister Yoav Kisch Anerkennung für seine Entscheidung, Finanzkompetenz ab dem nächsten Jahr zu einem Pflichtfach an allen Mittelschulen zu machen. Angesichts des gesunden Urteilsvermögens, das sich in dieser Initiative widerspiegelt, ist es jedoch beunruhigend, dass dasselbe langfristige Denken in anderen Bereichen, die unter Kischs Zuständigkeit fallen, nicht erkennbar ist und dass er den unverantwortlichen Umgang mit öffentlichen Mitteln erlaubt und damit Israels qualitativen Vorsprung gefährdet.

So berichtete das Bildungsministerium, dass Schüler an Grundschulen, die ultraorthodoxen politischen Parteien angehören, mehr öffentlich finanzierte Unterrichtsstunden erhalten als jede andere Gruppe. Darüber hinaus werden bei den Budgets für den Schulbau – Israels Klassen gehören zu den am stärksten überfüllten in den OECD-Ländern – Charedi-Schulen bevorzugt behandelt. Und das trotz Mängeln in ihren Lehrplänen, insbesondere den Kernfächern Englisch und Mathematik, obwohl bekannt ist, dass das Fehlen einer soliden Allgemeinbildung eine effektive Integration in den Arbeitsmarkt behindert.

Ultraorthodoxe Kinder haben ein Recht auf Bildung, und man könnte argumentieren, dass viele aus wirtschaftlich benachteiligten Verhältnissen stammen und daher zusätzliche staatliche Unterstützung verdienen. Allerdings erhalten Schüler aus ähnlich benachteiligten Verhältnissen weniger, obwohl sie Unterricht in betreuten Einrichtungen erhalten, welcher die wichtigen Kernfächer miteinbezieht. In diesem Fall investiert das Ministerium, also die Regierung, mehr Steuergelder dort, wo der Ertrag voraussichtlich geringer ausfällt als in anderen Bereichen.

Wenden wir uns dem Hochschulbereich zu: Israel hat rund 300 000 Studierende, davon etwas mehr an Fachhochschulen als an Universitäten. Seit den 1990er Jahren hat die Expansion der Fachhochschulen den Zugang zur Hochschulbildung erweitert und die berufliche Ausbildung verbessert, was sowohl den Absolventen als auch der Allgemeinheit zugutekommt.

Gleichzeitig konzentrieren sich Fachhochschulen eher auf angewandte Bereiche, während Forschungsuniversitäten Motoren der Innovation sind. Direkt und indirekt, durch Patente, Technologien und Humankapital, beläuft sich ihr Beitrag für das Land auf Milliardenbeträge.

Ein Politiker, der sich von langfristigen Überlegungen leiten lässt, würde versuchen, beide Systeme entsprechend ihrer jeweiligen Stärken zu unterstützen. Doch seit Kisch den Vorsitz des Rates für Hochschulbildung übernommen hat, ist eine deutliche Tendenz zugunsten der Fachhochschulen zu beobachten. Die Zusammensetzung des Rates hat sich auch entsprechend verändert: Er umfasst nun mehr Vertreter von Fachhochschulen als je zuvor, und zum ersten Mal ist die Universität Tel Aviv, die grösste des Landes, nicht in dem Gremium, das für die Gestaltung der Politik und die Zuweisung von Ressourcen zuständig ist, vertreten.

Ebenfalls zum ersten Mal kommt keiner der drei leitenden Mitarbeiter des Rates – der stellvertretende Vorsitzende, der Generaldirektor und der Leiter des Planungs- und Haushaltsausschusses – aus dem universitären Umfeld, was ihre Interaktion mit führenden Wissenschaftlern und Institutionen weltweit einschränken dürfte. Gerade solche Verbindungen sind besonders wichtig in einer Zeit, in der die israelische Wissenschaft nach den Ereignissen vom 7. Oktober zunehmendem Druck und Sanktionen ausgesetzt ist, sowohl formellen als auch informellen. Netzwerke und Partnerschaften sind kein Luxus; sie sind ein Kapital, das wiederum Milliarden generieren kann.

An der Spitze der internationalen akademischen Zusammenarbeit stehen die Forschungsprogramme der Europäischen Union, insbesondere Horizon. Trotz politischen Drucks dürfen israelische Forscher weiterhin an diesen Programmen teilnehmen. Gleichzeitig hat die EU beispiellose Schritte gegenüber Ungarn unternommen. Nachdem das Land einige Universitäten in politisch kontrollierte «öffentliche Stiftungen» überführt hatte, was als Untergrabung der akademischen Freiheit angesehen wird, hat die EU diese Einrichtungen von ihren Forschungsprogrammen ausgeschlossen.

Es ist daher überraschend, dass der erste offizielle Besuch des neuen Rates für Hochschulbildung unter der Leitung des Ministers im November nach Ungarn führte. Darüber hinaus beschloss der Rat im Januar, einer dieser ausgeschlossenen ungarischen Einrichtungen zu gestatten, eine Zweigstelle ihrer medizinischen Fakultät in Eilat zu eröffnen, und zog diese der Ben-Gurion-Universität vor, die international besser rangiert. Im Klartext: Angesichts einer möglichen Isolation, deren Auswirkungen verheerend wären, haben sich der Minister und der Rat bewusst dafür entschieden, mit Ausgestossenen zusammenzuarbeiten.

Niemand auf der Welt kann sich der beeindruckenden Leistung des israelischen Verteidigungsapparats im aktuellen Konflikt mit dem Iran entziehen oder übersehen, dass diese auf Exzellenz beruht, für die das Land bekannt ist.

Um seinen qualitativen Vorsprung zu bewahren, muss Israels Bildungssystem auf jeder Ebene herausragend sein. Ein Minister, der zu Recht darauf besteht, dass jeder Einzelne eine robuste Finanzkompetenz besitzen sollte, sollte über kurzfristigen politischen Erwägungen stehen. Er sollte dieselbe Logik auf die nationale Widerstandsfähigkeit und Nachhaltigkeit anwenden und fachliche Erwägungen und langfristige Erträge vor engstirnigen politischen Interessen priorisieren.

Tova Herzl ist eine ehemalige israelische Diplomatin und war unter anderem Botschafterin in Lettland. Sie ist eine Nachfahrin von Theodor Herzl und publiziert regelmässig Kolumnen in israelischen Zeitungen.

Tova Herzl