Sport 04. Mai 2026

Saudis geben Engagement im Profi-Golf auf

Riad Golf Club, Saudi-Arabien.

Rückzug aus der LIV Golf-Liga als Indiz für tiefer gehendes Umdenken – und Probleme.

Am Donnerstag gab der saudische «Public Investment Fund» (PIF) nach vier Jahren und geschätzten Investitionen von fünf Milliarden Dollar den Rückzug aus der mit Hilfe des Staatsfonds 2022 gestarteten Liga LIV Golf bekannt. Erhebliche Mittel waren an den damals ins Privatleben zurückgekehrten Trump geflossen, dessen Ressorts Turniere für die Liga ausgerichtet haben. 

Der Rückzug geht mit ähnlichen Schritten wie bei einer Partnerschaft mit der Metropolitan Opera in New York City einher. Hier hat der PIF bereits vor zehn Tagen eine Unterstützung von 200 Millionen Dollar über zehn Jahre aufgekündigt. Insgesamt verliert jedoch vor allem der globale Sport laut der «New York Times» die vermutlich grösste, einzelne Geldquelle. 

Mit dem Rückzug gibt Yasir al-Rumayyan als Leiter des PIF seinen Vorsitz bei LIV Golf auf. Allerdings hält das Königreich sowohl am Besitz des Fussball-Clubs Newcastle United in der Premier League, als auch der Ausrichtung der Weltausstellung 2030 und der Fussball-WM der Männer 2034 fest. 

Hintergrund ist der seit Ende Februar durch neuerliche Angriffe Israels und der USA ausgelöste Krieg mit Iran, der neben unerwartet schweren Schäden auf US-Basen in der Region und bei der Öl- und Erdgas-Förderung am Golf eine historische Exportsperre durch die Blockade der Strasse von Hormus gebracht hat (Link).

Auch eine aktuelle Analyse der britischen «Denkfabrik» Chatham House erkennt ein tiefergehendes Umdenken in Riad aufgrund des laufenden Konfliktes. Demnach plane der Kronprinz Muhammad bin Salman einen Umlagerung der Energie-Infrastruktur vom Persischen Golf in Richtung des Roten Meeres bei Exporten, aber auch Industrieanlagen und urbanen Zentren. Gleichzeitig nehme Riad nun neben Iran auch Israel zunehmend als «Bedrohung der regionalen Sicherheit» wahr. Dazu gehöre eine wachsende Entfremdung von den Vereinigten Arabischen Emiraten, die spätestestens seit dem jüngsten Austritt aus der OPEC anscheinend als mehr oder weniger offene Verbündete Israels wahrgenommen werden. Eine Konsequenz sei ein Drängen Riads auf Deeskalation gegenüber Iran bei Trump (Link).

Allerdings genügt ein Blick auf eine Landkarte, um die Tiefe des saudischen Dilemmas zu offenbaren: Das Königreich ist neben der Strasse von Hormus und dem von den jemenitisches Huthis bedrohten südlichen Ausgang des Roten Meeres am Nordende des Roten Meeres und dem Suez-Kanal mit einem dritten Flaschenhals für Exporte und damit Druckpunkt konfrontiert. Hier könnte in saudischen Überlegungen auch der Anrainer Israel als direkte Bedrohung von Energie-Exporten in den Blick kommen. 

Andreas Mink