LAUSANNE 05. Jun 2026

Saniert und besorgt

Die «Freunde der Juden» (v.l.n.r) Luc Zbinden, Pascal Vidoudez, und Eytan von Erlach.

Die Jüdische Gemeinde Lausanne hat sich mit Immobilien und einer Grossspende saniert – doch ausserhalb der Gemeinde ist die Lage weniger rosig.

Wenn das Geld da ist, läuft alles rund. Was könnte die ruhige Generalversammlung der Israelitischen Gemeinde von Lausanne und des Kantons Waadt (CILV) am vergangenen Donnerstagabend besser zusammenfassen als dieser Satz? Die finanziellen Probleme, mit denen diese Gemeinde in den letzten Jahren zu kämpfen hatte, gehören nun der Vergangenheit an.

Finanzielle Verbesserungen
Wie Elie Elkaim, welcher von den anwesenden Mitgliedern einstimmig wieder zum Präsidenten der CILV gewählt wurde, gerne betonte, «war unermüdlicher Einsatz erforderlich», um das Defizit abzubauen. Die Herausforderung war umso verdienstvoller, als sich der Vorstand verpflichtet hatte, «keine Abstriche zu machen», also keine Mitarbeiter zu entlassen.

Ohne eingehende Umstrukturierungen gelang es dem Führungsteam der CILV, die Finanzen wieder auf ein sehr akzeptables Niveau zu bringen. Während das Defizit der CILV noch vor wenigen Jahren 500 000 Franken betrug, liegt es nun nur noch bei etwas mehr als 54 000 Franken. Dies ist eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr, in dem das Defizit noch mehr als 119 000 Franken betrug. Man erinnere sich auch, dass bei der letzten Generalversammlung ein Verlust von 126 000 Franken im Budget für dieses Jahr prognostiziert worden war.

Wiederwahlen und Abtritte
Um dieses gute Ergebnis zu erzielen, haben sich alle an die Arbeit gemacht. Die Mitglieder, ob vermögend oder nicht, haben die Ärmel hochgekrempelt und insbesondere Beitragserhöhungen akzeptiert sowie beträchtliche Spenden getätigt. Auch die Mitarbeiter der CILV haben sich bereit erklärt, ihre Gehälter zu kürzen. Doch es war vor allem die kluge Entscheidung, zwei Immobilien zu erwerben, die in weniger als einem Jahr fast 157 000 Franken netto einbrachten und so für die nötige Atempause sorgten. Die Hypothekenschuld wurde zudem um 100 000 Franken reduziert. Es war aber auch eine anonyme Spende in Höhe von über 2,4 Millionen, die dem zurücktretenden Schatzmeister Edouard Argi wieder ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Im Anschluss daran sorgte er dafür, dass ein Darlehen in Höhe von 150 000 Franken an die koschere Metzgerei Kolbo bereitgestellt wurde. Mit anderen Worten: Nach 18 Jahren in dieser Funktion verlässt Argi sein Amt mit dem berechtigten Gefühl, seine Aufgabe erfüllt zu haben. Unter grossem Beifall der anwesenden Mitglieder wurde er logischerweise zum Ehrenmitglied der CILV ernannt. Zu seinem Nachfolger wählte die Versammlung einstimmig Gilles Bernheim, der sich bereit erklärte, das Amt des Schatzmeisters zu übernehmen.

Ein weiterer Abgang ist der von Yoann Boillat aus der Synagogen- und Kultkommission, dessen Nachfolger Léon Akiba wird, der ebenfalls einstimmig gewählt wurde. Eine weitere Priorität des Vorstands ist die Notwendigkeit, den Mitgliedern der Gemeinde mehr Sicherheit zu gewährleisten. Zu diesem Zweck wählten diese Marc Leipziger in diese Funktion im Vorstand.

Die weiteren am Donnerstag wiedergewählten Mitglieder sind Muriel Reboh-Serrero als Vizepräsidentin der CILV, Karen Zysman, welche für die Räumlichkeiten zuständig ist, Emmanuelle Wolff für soziale Angelegenheiten und Jacques Ehrenfreund für Kultur.

Mit ihren 550 Familien verzeichnet die CILV ein erfreuliches Wachstum. Ihre sozialen und kulturellen Aktivitäten sind intensiv, was Elie Elkaïm sogar zu der Aussage veranlasste: «Die CILV ist ein bisschen wie New York, eine Gemeinschaft, die niemals stillsteht.»

Einsatz gegen Antisemitismus
Die Gemeinde scheint tatsächlich dynamischer und nach innen geeinter zu sein als noch vor kurzem. Ist das eine Folge der zunehmenden äusseren Gefahren? Der Präsident machte erneut keinen Hehl aus seiner Besorgnis angesichts des explosionsartigen Anstiegs des Antisemitismus seit dem 7. Oktober 2023. Er lobte zwar die sehr gute Zusammenarbeit mit der Lausanner Polizei und deren politischem Leiter, Stadtrat Pierre-Antoine Hildbrand, prangerte jedoch erneut die Passivität des Stadtpräsidenten Grégoire Junod an. «Wir haben das Gefühl, dass unsere Warnungen nicht beachtet werden, auch wenn unsere Interventionen nicht vergeblich sind.» Er erinnerte daran, dass im Kanton Waadt etwa 15 Strafverfahren eingeleitet worden seien. Es soll sogar ein Rechtsfonds eingerichtet werden, um die Klage von 25 Klägerinnen zu finanzieren, die sich gegen den Ausschluss jüdischer Frauen von der Frauenparade am 8. März 2025 gewandt haben.

In diesem Sinne schrieb Elie Elkaim am 22. Mai dieses Jahres einen Brief an Christelle Luisier, die Präsidentin des Waadtländer Staatsrats, damit die Exekutive das Ausmass der berechtigten Besorgnis in der jüdischen Gemeinschaft wahrnimmt und sich, nach dem Vorbild des Bundesrats, offiziell zur Definition der Internationalen Allianz zum Holocaustgedenken bekennt und anerkennt, dass bestimmte Formen des Antizionismus eine Manifestation von Antisemitismus darstellen können.

Auch wenn sich die Juden in diesen Zeiten oft ziemlich allein fühlen mögen, haben sie doch einige wertvolle Freunde. Die Gemeinde hat daher beschlossen, Luc Zbinden, den neuen Präsidenten der Waadtländer Sektion der Schweizerisch-Israelischen Gesellschaft, seinen Vorgänger Eytan von Erlach und Pascal Vidoudez offiziell zu ehren. Alle drei erhielten ein wohlverdientes, exklusives Diplom als «Freunde der Juden».

Edgar Bloch