freiburg 19. Jun 2026

Religionsfreiheit endlich gewahrt

Nach 16 Jahren sichert eine neue Vereinbarung zwischen der Stadt und der jüdischen Gemeinde die religiösen Grundsätze auf dem Friedhof.

Die Stadt Freiburg und die jüdische Gemeinde haben eine Lösung gefunden – die Erhaltung der jüdischen Gräber im historischen Teil des bestehenden Friedhofs ist gesichert.

Es ist das Ende eines langen Machtkampfs. Nach intensiven Diskussionen ist es der Stadt Freiburg i. Ue. und der Israelitischen Gemeinde des Kantons Freiburg (CIF) gelungen, eine zufriedenstellende Lösung zu finden, um sicherzustellen, dass der jüdische Friedhof von Freiburg auch in Zukunft den Regeln des Judentums entspricht. Für die Gräber im historischen Teil, der unter Denkmalschutz steht, werden die Bedingungen der alten Vereinbarungen in Kraft bleiben, wodurch die Erhaltung der jüdischen Grabstätten in diesem Teil langfristig gesichert ist. Was die neuen Grabdenkmäler ausserhalb des derzeitigen Bereichs betrifft, so unterliegen diese der neuen kommunalen Regelung. Ein weiterer Grund zur Erleichterung ist, dass die CIF von ursprünglich vorgesehenen hohen Kosten entlastet wird.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung begrüssen die CIF und der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG), die in dieser Angelegenheit Hand in Hand gearbeitet haben, «diesen Kompromiss als Stärkung der Religionsfreiheit». Sie sehen darin einen wichtigen Schritt, um das jüdische Leben in der Stadt der Zähringer langfristig zu sichern. «Es war immer von grösster Bedeutung, dass die bestehenden Gräber unversehrt bleiben und ihre religiöse Bedeutung respektiert wird», betonen beide Organisationen.

16 verlorene Jahre
Claude Nordmann, Präsident der CIF, bleibt dennoch ein wenig verbittert: «Wir haben 16 Jahre verloren, und diese Diskussion hat viele Enttäuschungen mit sich gebracht», räumt er ein. Im Jahr 2010 sprach ihn Gemeinderat Jean Bourgknecht auf dieses Thema an und schlug ihm diese Lösung vor, die im folgenden Jahr von der Generalversammlung der CIF angenommen wurde. Die politischen Veränderungen in Freiburg hatten die Lage dann jedoch verändert. Ab 2019 entstand ein Entwurf für eine Gemeindeverordnung über den Friedhof mit undifferenzierten Grabstätten. «Er sah auch die Zahlung von Kosten in Höhe von rund 400 000 Franken vor, was unmöglich zu tragen war. Da haben wir angefangen, auf die Barrikaden zu gehen», erklärt Nordmann. Nach Gesprächen mit Elias Moussa, dem derzeitigen Stadtpräsidenten der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz von Freiburg, veröffentlichte die Stadt ihr kommunales Reglement. Nach einer Debatte im Gemeinderat, in der die linke Mehrheit dogmatisch und erfolgreich für die Gleichheit vor dem Tod und die Achtung der Laizität auf einem Friedhof plädiert hatte, an dessen Eingang katholische Kreuze stehen, wurde das kommunale Reglement verabschiedet.

«Nach einem Gutachten, das beim ehemaligen Bundesrichter Rouiller in Auftrag gegeben wurde und das bestätigte, dass Konzessionen mit einer Laufzeit von 99 Jahren erteilt werden müssen, kam die Lösung von den Mitarbeitern der Stadt, die klugerweise daran erinnerten, dass die alten Gräber unter Denkmalschutz stehen», fährt der Präsident der CIF fort. Diese Information brachte die Wende. Auch die Presse, die der Entscheidung der Stadt kritisch gegenüberstand, sowie die im Ausland lebenden Nachkommen der dort begrabenen Juden und der SIG, der sich solidarisch mit der CIF zeigte, spielten ebenfalls eine Rolle bei diesem glücklichen Ausgang.

Im Herbst 2024 hatte der Generalrat der Stadt Freiburg, das Stadtparlament, das Reglement sowie die Gebührenordnung für den städtischen Friedhof überarbeitet, was in der Gemeinde Besorgnis ausgelöst hatte. Die geplante Revision hätte die seit 1912 mit der jüdischen Gemeinde geschlossenen Vereinbarungen aufgehoben, hohe wiederkehrende Kosten verursacht und aus jüdischer Sicht die ewige Ruhe der Verstorbenen, ein Grundprinzip des Judentums, infrage gestellt. Die CIF und der SIG warnten daraufhin vor einem Eingriff in die Religionsfreiheit, bekundeten jedoch ihre Bereitschaft zu konstruktiven Gesprächen.

Zeit für neue Grabstätten
Was die neuen Grabstätten angeht, so weist Claude Nordmann darauf hin, dass die Angelegenheit mit dem Rabbiner der CIF, Lionel Elkaim, geklärt werden müsse, «aber wir haben Zeit und Platz», versichert er. Es sei auch daran erinnert, dass die CIF eine vom Staat anerkannte gemeinnützige Gemeinschaft ist. Das bedeutet, dass für jeden Juden, der sich im Kantonsgebiet niederlässt, eine Abgabe erhoben wird. Da es sich jedoch um einen kommunalen Friedhof handelt, muss jede jüdische Familie, deren Angehöriger ausserhalb des Stadtgebiets von Freiburg verstirbt, eine Gebühr von 3500 Franken entrichten.

Edgar Bloch