New York 04. Aug 2026

Met ehrt John Galliano

Der Designer John Galliano und die damalige Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour 2021.

Debatte über Vergebung und Verantwortung.  

Das New Yorker Metropolitan Museum of Art sorgt mit der Ankündigung einer großen Retrospektive über den britischen Modedesigner John Galliano für kontroverse Reaktionen. Die Ausstellung „John Galliano: Horizons“, die im Frühjahr 2027 eröffnet und von der Met Gala begleitet wird, widmet sich einem der einflussreichsten Modeschöpfer der vergangenen Jahrzehnte – wirft zugleich aber die Frage auf, ob ein Mann geehrt werden sollte, der 2011 wegen antisemitischer und rassistischer Tiraden weltweit in Ungnade fiel. 
Galliano war nach antisemitischen Beschimpfungen in einem Pariser Café von Dior entlassen und in Frankreich wegen Hassrede verurteilt worden. In den Jahren danach entschuldigte er sich öffentlich, absolvierte einen Entzug und suchte den Dialog mit jüdischen Organisationen und Rabbinerinnen und Rabbinern. Vertreter des Metropolitan Museum betonen, die Ausstellung werde seine Verfehlungen nicht ausblenden, sondern sie ausdrücklich thematisieren. Vor der Entscheidung habe das Museum Gespräche mit jüdischen Persönlichkeiten geführt. 
Die Jewish Telegraphic Agency nimmt den Anlass zum Ausgangspunkt einer grundsätzlichen Debatte über das jüdische Verständnis von Teschuwa – Reue und Umkehr. Im Judentum gilt echte Reue grundsätzlich als möglich, setzt jedoch die Anerkennung des Unrechts, aufrichtige Entschuldigung, Wiedergutmachung und eine nachhaltige Verhaltensänderung voraus. Ob Galliano diesen Weg glaubwürdig gegangen ist und ob dies eine öffentliche Ehrung rechtfertigt, wird innerhalb der jüdischen Gemeinschaft unterschiedlich beurteilt. 
Damit geht die Diskussion über den Fall Galliano hinaus: Sie berührt die grundsätzliche Frage, wie Gesellschaften mit Künstlern umgehen sollen, deren Werk als herausragend gilt, deren persönliches Verhalten jedoch moralisch schwer belastet ist. Das Metropolitan Museum will diese Spannung nach eigenen Angaben nicht auflösen, sondern bewusst zum Thema der Ausstellung machen. 
 

Redaktion