In der Schweiz rückt zurzeit eine neue Form des Extremismus zunehmend in den Fokus der Sicherheitsbehörden: der sogenannte gewalttätige Nihilismus. Anders als bei religiös oder politisch motivierten Radikalisierungen steht dabei keine klar erkennbare Ideologie im Zentrum. Gewalt wird vielmehr zum Selbstzweck und als Mittel verstanden, bestehende gesellschaftliche Ordnungen zu zerstören. Die Szene organisiert sich vor allem in lose verbundenen Online-Netzwerken und richtet sich häufig an junge Menschen. In sozialen Medien und geschlossenen Chatgruppen werden Gewalttaten, Selbstverletzungen, Tierquälerei und teilweise sogar Massentötungen verherrlicht. Wer besonders brutale Inhalte verbreitet oder eigene Taten dokumentiert, kann innerhalb dieser Gruppen an Ansehen gewinnen. Dabei werden Opfer von Manipulation und Missbrauch mitunter selbst zu Tätern. Als besonders gefährdet gelten Jugendliche, die sich isoliert fühlen oder nach Zugehörigkeit und Orientierung suchen. Fachleute warnen, dass die Anonymität des Internets Hemmschwellen senke und Algorithmen die Verbreitung extremistischer Inhalte zusätzlich begünstigten. Noch ist wenig darüber bekannt, wie gross die Szene in der Schweiz tatsächlich ist. Während Kanada bereits mehrere damit verbundene Gruppierungen als terroristische Organisationen eingestuft hat, prüfen auch Schweizer Fachstellen verstärkt, wie der neuen Bedrohung begegnet werden kann. Im Zentrum stehen dabei Prävention, Früherkennung und ein besseres Verständnis der Radikalisierungswege.
schweiz
24. Jul 2026
Neue Form von Extremismus
Emily Langloh