In Lausanne hat sich der Verein der Universalistischen Feministen und Feministinnen gegründet – in bewusster Abgrenzung von dem intersektionalen Feminismus wie er auf Demonstrationen in der Schweiz propagiert wird.
Was ist Feminismus im Jahr 2026? Ist es jener der Demonstrierenden, die am feministischen Streik in Lausanne gegen Kapitalismus und Imperialismus auf die Strasse gingen? Sie verstehen sich als Teil verschiedener Kämpfe – gegen das Patriarchat, Militarismus und Kolonialismus sowie für LGBTQ-Rechte und Palästina. Diese Demonstrierenden bekräftigen, jegliche Instrumentalisierung ihrer Kämpfe «zu rassistischen (…) und antisemitischen Zwecken» abzulehnen. Im selben Atemzug schliessen sie «Zionisten und Zionistinnen und Israelis» aus.
Die Universalisten
Zu Recht versäumt es die Coordination intercommunautaire contre l’antisémitisme et la diffamation (CICAD) nicht, diesen Widerspruch anzuprangern: «Man kann nicht vorgeben, Antisemitismus zu bekämpfen, und im selben Satz diejenigen ausschliessen, die sich zum Zionismus bekennen, also zum Recht des jüdischen Volkes auf einen eigenen Staat. Für eine grosse Mehrheit der Juden ist diese Verbindung Teil ihrer Identität. Dies zum Grund für einen Ausschluss zu machen, läuft darauf hinaus, Juden in diejenigen zu unterteilen, die man toleriert, und diejenigen, die man ausgrenzt.»
Auf der anderen Seite steht der Verein der universalistischen Feministen und Feministinnen. Zu ihnen zählt Jardena Puder, Professorin für Medizin an der Universität Lausanne; ihre Cousine wurde am 7. Oktober 2023 von den Geiselnehmern der Hamas entführt und sexuell missbraucht. Vorsitzende des Vereins ist Nadine Reichenthal, eine anerkannte Unternehmerin im Bereich der Start-up-Betreuung. Beide Frauen wurden bei der letzten Ausgabe des feministischen Streiks misshandelt. Nadine Reichenthal erhielt einen Schlag auf den Kopf und hat – genau wie Jardena Puder und einige Dutzend andere, die 2025 misshandelt wurden – Anzeige erstattet.
Das Gesetz im Mittelpunkt
«Zu meinem Komitee der Universalistinnen gehören Frauen unterschiedlicher Herkunft und Religionen. Ich möchte auch politisch aktive Frauen ansprechen und diesen Kreis auf junge Menschen ausweiten», erklärt Nadine Reichenthal. «Für uns steht das Gesetz im Mittelpunkt unseres Ziels. Unser Handeln zielt darauf ab, durch rechtliche Massnahmen auf kommunaler, kantonaler und Bundesebene Veränderungen herbeizuführen, und Männer unterstützen Frauen dabei, einen auf Geschlechtergleichstellung basierenden Feminismus zu fördern.» Die Schwerpunkte liegen auf dem Kampf gegen Gewalt an Frauen, der Gesundheit von Frauen, der beruflichen Gleichstellung und Lohngleichheit sowie auf Bildung und Emanzipation.
Zusammenarbeit statt Spaltung
Nadine Reichenthal engagiert sich seit einigen Jahren im Bundesamt für Gleichstellung für die Arbeit im Bereich der Lohngleichheit. «Unser Gesellschaftsmodell basiert auf Universalismus und dem Respekt vor jedem Einzelnen.» Sie vertreten einen «Feminismus, der daran glaubt, dass Gleichstellung gemeinsam von Frauen und Männern aufgebaut wird und nicht von den einen gegen die anderen. Ein Feminismus, der spaltet, ist ein Feminismus, der scheitert. Ausserdem haben wir Kontakte geknüpft, um in Kürze auch in der Deutschschweiz aktiv zu werden.»