In Balgach erinnert neu ein Stolperstein an Jakob Lütschg, der 1944 im Konzentrationslager Buchenwald ermordet wurde. Der 1904 in der Rheintaler Gemeinde geborene Sohn einer Bäckerfamilie lebte bis zu seinem 20. Lebensjahr dort. Er wurde zunächst ebenfalls Bäcker, später Kaufmann. Als Lütschg sich im Sommer 1940 beruflich in Paris aufhielt, marschierten deutsche Truppen in die französische Hauptstadt ein. Er geriet in deutsche Hände und wurde ohne Anklage und Urteil inhaftiert. Nach seiner Internierung und Deportation wurde er am 17. März 1944 im KZ Buchenwald ermordet. Die Regionalgruppe Ostschweiz des Vereins Stolpersteine Schweiz setzte den Gedenkstein Ende August in der Nähe von Lütschgs ehemaligem Wohnort. An der Zeremonie nahmen auch die St. Galler Regierungspräsidentin Laura Bucher und Balgachs Gemeindepräsident Urs Lüchinger teil. Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Heerbrugg legten weisse Rosen nieder. Bucher erinnerte daran, wie wenig es manchmal brauche, damit ein Leben «ins Stolpern geraten oder ein tragisches Ende nehmen» könne. Lütschgs Schicksal steht für zahlreiche bislang wenig bekannte nicht jüdische NS-Opfer aus der Ostschweiz. Allein aus dem St. Galler Rheintal sind rund 40 Opfer bekannt. Die Historiker Max Lemmenmeier und der Journalist Jörg Krummenacher arbeiten derzeit an einem Buch über diese Schicksale, das im Herbst 2027 erscheinen soll. Mit Lütschgs Stein gibt es nun vier Stolpersteine im Kanton St. Gallen. Schweizweit ist das Projekt Teil eines Mahnmals, das inzwischen mehr als 116 000 Steine in 31 europäischen Ländern umfasst.
www.stolpersteine.ch
Balgach
04. Sep 2026
Erinnerung im Rheintal
Emily Langloh