Der Endinger Jules Bloch erweckte das das Surbtaler Judentum zu neuem Leben – nun ist er als einer der letzten Zeugen verstorben.
Mit Jules Bloch verliert das Surbtal eine seiner markantesten Stimmen des jüdischen Lebens. Als langjähriger Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Endingen prägte er über Jahrzehnte das religiöse und gesellschaftliche Leben der traditionsreichen Gemeinde und setzte sich mit grosser Beharrlichkeit für deren Sichtbarkeit und Fortbestand ein.
Bloch entstammte einer alteingesessenen Familie, deren Geschichte eng mit den jüdischen Gemeinden von Endingen und Lengnau verbunden ist. Beruflich blieb er dem klassischen Viehhandel treu und verkörperte damit eine Lebenswelt, die im Schweizer Judentum heute weitgehend verschwunden ist. Über Jahrzehnte war er mit dem kürzlich verstorbenen Winterthurer Sylvain Wyler die wichtige Stimme der Kleingemeinden im Centralcomité des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG). Er setzte sich stark für die Erinnerungskultur der Surbtaler Juden ein. Mit der Einladung der damaligen Bundesrätin Ruth Dreifuss 2009 nach Endingen setzte er einen markanten Punkt; sie erinnerte dabei an ihre Surbtaler Wurzeln. Es war auch der Auftakt des Jüdischen Kulturweges in Endingen, der an das Erbe der jüdischen Gemeinden Endingen und Lengnau erinnert.
Sein Engagement galt nicht nur der eigenen Gemeinde, sondern mit seinem Bruder Max Bloch auch dem jüdischen Altersheim in Lengnau als gelebte Erinnerung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Mit Jules Bloch verliert die jüdische Urschweiz eine Persönlichkeit, die für Kontinuität, Bodenständigkeit und historisches Bewusstsein stand und die Kleingemeinden stärkte.