Neue, in den USA veröffentlichte Akten zum Fall Jeffrey Epstein legen offen, wie eng der verurteilte Sexualstraftäter über Jahre mit der Schweiz verbunden war. Laut Recherchen der «NZZ am Sonntag» und des «Sonntags-Blick» war Epstein bis in höchste Kreise des Schweizer Finanzplatzes vernetzt, auch nach seiner ersten Verurteilung. Die Dokumente zeigen zahlreiche Kontakte nach Zürich, Genf und Verbier sowie eine auffällige Vermischung von Finanzbeziehungen und der systematischen Suche nach jungen Frauen. Aus E-Mails geht hervor, dass Epstein mit mindestens fünf Frauen in der Schweiz in Kontakt stand, viele davon aus Russland oder der Ukraine. Mehrere sollen finanziell von ihm abhängig gewesen sein. Einer jungen Russin finanzierte er etwa einen mehrwöchigen Sommerkurs an einer Eliteschule am Genfersee. Medienberichten zufolge schlugen ihm Frauen aus seinem Umfeld wiederholt weitere junge Frauen vor. Besonders brisant sind Hinweise auf Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten des Bankenplatzes. Die Akten dokumentieren einen regen Austausch mit Bankerinnen und Top-Finanzern, darunter auch private Korrespondenz und Treffen. Die Unterlagen enthalten jedoch keine strafrechtlichen Beweise gegen Schweizer Banken oder Bankmitarbeitende. Mit der Freigabe von mehreren Millionen Seiten Ermittlungsakten ist die juristische Veröffentlichung abgeschlossen. Die öffentliche Aufarbeitung der Dokumente steht jedoch erst am Anfang, auch in der Schweiz, wo nun neue Fragen nach Nähe, Verantwortung und Wegsehen im Umfeld eines der grössten Missbrauchsskandale der jüngeren Geschichte aufgeworfen werden
Zürich, Genf, Verbier
06. Feb 2026
Epsteins Verbinung in die Schweiz
Emily Langloh