Yesh!-Filmfestival 23. Mär 2026

Zelebrierung des jüdischen Films

Besucher am Filmfestival Yesh!.

Am Samstag und Sonntag wurden die Zürcher Kinosäle voll mit Festivalbesuchern gepackt, als das Yesh!-Filmfestival über das Wochenende lief.   

Im Festival haben vor allem die politisch ausgerichteten Filme das Interesse der Besucher geweckt. Vollständig ausverkauft war die Vorführung des Dokumentarfilms des deutschen Historikers und Regisseurs Felix Moeller «Weltgeschichte einer Lüge», der sich mit der Geschichte und gegenwärtigen Ausprägungen der antisemitischen Protokolle der Weisen von Zion. Ebenfalls ausverkauft war der Film «the Sea» vom israelischen Regisseur und Drehbuchautor Shay Carmeli-Pollak, bei dem es sich um die Geschichte eines palästinensischen Jugendlichen handelt, der einmal in seinem Leben an das Mittelmeer will, was für viele Palästinenser im West Bank praktisch unmöglich ist. Gut besucht wurde auch der Doku-Film «Letters to David» vom Tom Shoval, der die tiefe Freundschaft und Verbindung zwischen dem Regisseur und ehemaligem durch die Hamas entführten Geiseln David Cunio sowie dessen Bruder Eitan Cunio anhand der Ereignisse und Katastrophen um den 7.10-Massaker. Die drei haben sich früher im Rahmen der Produktion des Films «Youth» von Shoval kennengelernt, in dem die Cunio-Brüder spielten. «Als ich diesen Film drehte, habe ich kein eigenes Universum erschaffen, sondern bin in einen Dialog mit der Realität getreten. Bis zu Davids Rückkehr war dieser Film ein eindringlicher Aufruf zu seiner Freilassung. Der Schmerz zweier Brüder, die voneinander getrennt wurden, steht stellvertretend für das Leid der gesamten Region.», sagte Shoval im anschliessenden Gespräch. Leider konnte Shoval – wie alle anderen israelischen Filmmacher – wegen des Krieges im Nahen Osten nicht nach Zürich fliegen, weshalb das Gespräch über Zoom stattfand. 

Bei Yesh ging es jedoch nicht nur um Politik. Zu sehen waren auch zahlreiche Filme, die den Schwerpunkt auf das Menschliche und Zwischenmenschliche im jüdischen Leben legten und, welches im heutigen politischen Klima oftmals in die Vergessenheit gerät. So bot das Festival unter anderemPlatz für das Film «Dead Language» des israelischen-schweizerischen-französischen Regi-Paares Oded Binnun und Michal Brezis. Im Film ging es um eine ungewöhnliche Begegnung, die zur Auseinandersetzug mit tieflegenden Fragen zur Identitätssuche innerhalb einer  Liebesbeziehung führt. Der Film der israelischen-französischen Regisseurin Sophie Artus «Halisa» behandelte komplexe Themen um Kinderwunsch und Mutterschaft im ärmeren und zwischen Juden und Arabern gemischten Viertel der nordisraelischen Stadt Haifa Halisa. Dabei geht es um Sarah – eine geschiedene Krankenschwester, die mittels künstliche Befruchtung ihren Kinderwunsch vergeblich zu erfüllen versucht und im Rahmen ihrer Arbeit ein Naheverhältnis zu einem missbrauchbetroffenen jüngen Babymädschen entwickelt. «Ich wollte den Widerspruch erörtern bei einer Frau, die die perfekte Mutter sein, aber nicht kann.», sagte Artus im Anschluss – ebenfalls über Video-Call.

Das Festival wurde vorwiegend von Älteren besucht. Jüngere Filmbegeisterte waren dennoch ebenfalls zu sehen. Es lässt sich angesichts des Yesh-Wochenende sagen, dass grosses Interesse an lebendigem jüdischem Film besteht.

Vivianne Berg