Die pro-palästinensische Gruppe darf keine Versammlung zum Jahrestag der Befreiung des Nazi-Konzentrationslagers am 12. April abhalten.
Wie die «FAZ» berichtet, begrüsst die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora das Verbot der Stadt Weimar für eine Veranstaltung der Kampagne «Kufiyas in Buchenwald» auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald am 12. April zum Jahrestag der Befreiung durch amerikanische Truppen 1945. Stiftungsdirektor Jens-Christian Wagner teilte dem Medium mit: «Unsere Aufgabe ist es, den Überlebenden und den Angehörigen der Opfer einen würdigen Gedenktag zu sichern, der nicht überlagert ist von Auseinandersetzungen, die mit der Gedenkstätte nichts zu tun haben.» Die Kommune hat eine Verlegung der Kufiya-Versammlung in der Weimarer Innenstadt genehmigt.
Laut Wagner wird die Gedenkstätte wegen ihres grossen Symbolwerts zunehmend von politischen Gruppen missbraucht: «Je weniger Überlebende es gibt, die sich gegen die Vereinnahmung wehren können, umso mehr versuchen Gruppen, ihre partikularen Interessen in der Gedenkstätte durchzusetzen.» Dabei werde «mit wenig historischem Bewusstsein und ethischer Sensibilität» agiert.
Die «Kufiyas in Buchenwald» ist nach eigenen Angaben eine internationale Allianz, an der auch kommunistische Organisationen beteiligt sind (Link). Mitglieder wollten mit «Palästinensertüchern» gewandet (Kufiyas) am Buchenwald-Gedenktag den «Völkermord in Gaza» thematisieren. Nach eigenen Angaben werde «die Gedenkstätte Buchenwald, ein ehemaliges Konzentrationslager des deutschen Faschismus, zunehmend zu einem Ort des Geschichtsrevisionismus und der Genozidleugnung. Statt die Verfolgten zu ehren und jedem Völkermord entschlossen entgegenzutreten, verbreitet die Gedenkstätte israelische Propaganda und liefert die ideologische Munition für den andauernden Genozid in Palästina.» Die «staatlich finanzierte Gedenkstätte» sei «Teil der massiv verschärften Repression gegen jegliche Palästinasolidarität» und verbiete «palästinensischer Symbole wie Kufiya, Olivenzweig, Wassermelone.»
Daneben moniert die Gruppe «Redeverbote». So sei an der Gedenkfeier im April 2025 der «jüdische Philosoph Omri Böhm auf Druck der israelischen Botschaft ausgeladen worden, da dieser den Genozid in Gaza und den Zionismus kritisiert hatte.» Als eine spanische Aktivistin in ihrer Rede «ein Ende des Genozids» forderte, sei sie von Wagner zurückgewiesen worden – «solche Aussagen «gehören sich nicht» in Buchenwald. Die israelische Flagge werde indessen in Buchenwald zugelassen: «All diese Massnahmen haben eine Stossrichtung: Deutschlands erneute Beteiligung an einem Völkermord ideologisch zu rechtfertigen – und das an einem Ort, an dem vor 81 Jahren noch Völkermord begangen wurde.»
Wagner erklärte der «FAZ», die Kampagne verfolge «menschenfeindliche Ziele», habe das Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 gefeiert und sei «eine stalinistische, antisemitische Organisation, deren Positionen wir hier nicht dulden können.»
Auf der Gedenkveranstaltung am 12. April wird Hape Kerkeling sprechen. Der Schauspieler und Autor ist der Enkel des ehemaligen Buchenwald-Häftlings Hermann Kerkeling, den die Nazis als politischen Häftling nach neun Jahren Zuchthaus bis zur Befreiung des Lagers für weitere drei Jahre in Buchenwald eingesperrt hatten. An der Veranstaltung wird laut «FAZ» zum ersten Mal seit Ende der Neunzigerjahre kein Überlebender des KZ Buchenwald sprechen.
Die Nazis hatten rund 280'000 Menschen in Buchenwald und dessen Aussenlager verschleppt, darunter Zehntausende Jüdinnen und Juden. 56'000 Menschen wurden dort ermordet oder starben durch Hunger, medizinische Experimente und Krankheiten (Link).