USA 23. Mär 2026

Trump-Regierung verklagt Harvard

Israelfahnen auf dem Campus von Harvard im Jahr 2025. 

Die Elite-Uni soll es versäumt haben, gegen Antisemitismus und Diskriminierung jüdischer und israelischer Studierender vorzugehen.  

Ende vergangener Woche hat das US-Justizministerium beim Bundes-Bezirksgericht von Massachusetts eine Klage gegen die Harvard eingereicht und damit die seit einem Jahr währenden Attacken auf die Universität eskaliert. Die Regierung will mit der Klage eine Blockade bestehender Fördermittel für die Hochschule und die Rückzahlung aller Zuschüsse erzwingen, die Washington seit mindestens dem 7. Oktober 2023 gewährt hat.

In der 44-seitigen Klageschrift wird behauptet, dass jüdische und israelische Studierende auf dem Harvard-Campus nach dem 7. Oktober «belästigt, körperlich angegriffen, gestalkt und angespuck» sowie «wiederholt von antisemitischen Demonstranten am Zugang zu Bildungseinrichtungen gehindert» worden seien.

Die Fakultät und die Hochschulleitung hätten die Augen vor Antisemitismus und der Diskriminierung von Juden und Israelis verschlossen. Harvard hat die Anschuldigungen kategorisch zurück gewiesen und angekündigt, man werde sich gegen die Klage verteidigen, diese sei «eine weitere vorgeschobene und als Vergeltung gedachte Massnahme, weil wir uns geweigert haben, die Kontrolle über Harvard an die Bundesregierung abzutreten.»

Das «Nexus Project» zur Beobachtung von Antisemitismus, verurteilte die Klage auf der Plattform X. Die Trump-Regierung «nutze legitime jüdische Sorgen über Antisemitismus weiterhin als fadenscheinige Ausrede, um bedeutende akademische Institutionen anzugreifen und zu schikanieren.» Dieser «autoritäre Machtmissbrauch sorgt weder für mehr Sicherheit bei jüdischen Studierenden, noch entspricht er den Empfehlungen von Antisemitismus-Experten.»

Die Klage erfolgt Tage nach der Publikation eines Berichts der «Harvard Jewish Alumni Alliance». Darin wurde festgestellt, dass der Anteil jüdischer Studierender in den Bachelor-Studiengängen auf 7 Prozent gesunken sei, dem «niedrigsten Stand seit der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und den niedrigsten Wert aller Ivy-League-Hochschulen mit verlässlichen Daten.» Allerdings hat William Fitzsimmons als Dekan für Zulassungen und finanzielle Unterstützung am Harvard College jüngst bekannt gegeben, dass die Hochschule Lernende an jüdischen Tagesschulen zu Bewerbungen ermutige, dies mit positiver Resonanz.

Im Februar hat das US-Justizministerium der University of California – Los Angeles (UCLA) in einer ähnlichen Klage vorgeworfen, eine antisemitisches Arbeitsumfeld auf ihrem Campus «gedeihen» zu lassen. Anschliessend unterzeichneten mehr als 100 jüdische Lehrende und Mitarbeitende der UCLA einen Brief, in dem sie die Vorwürfe der Trump-Regierung gegen die Hochschule zurückwiesen (Link).
 

Andreas Mink