Wiederentdeckter Roman von 1943 beschreibt Holocaust, bevor er benannt war.
Ein während des Zweiten Weltkriegs entstandener Roman des österreichisch-jüdischen Autors Friedrich Torberg ist erstmals auf Englisch erschienen – und sorgt für neue Aufmerksamkeit. Das Werk «Mein ist die Rache» aus dem Jahr 1943 entwirft bereits eine eindringliche literarische Vorstellung nationalsozialistischer Vernichtung, noch bevor der Begriff «Holocaust» geprägt war.
Torberg schrieb den Text im Exil in den USA, wohin er 1940 geflohen war. Während er dort lebte, verlor er mindestens 15 Mitglieder seiner Familie im NS-Terror. Sein Roman basiert teils auf frühen Augenzeugenberichten aus Konzentrationslagern und schildert ein fiktives Lager mit systematischer, auch psychologischer Gewalt gegen jüdische Häftlinge.
Das Buch erschien damals in Los Angeles, blieb jedoch weitgehend unbeachtet, wurde nie ins Englische übersetzt und geriet in Vergessenheit. Erst jetzt wurde es im Rahmen einer Reihe wiederentdeckter Werke neu herausgegeben und erstmals ins Englische übertragen.
Literaturhistorisch gilt das Werk als eine der frühesten fiktionalen Auseinandersetzungen mit der Shoah – verfasst zu einem Zeitpunkt, als die systematische Vernichtung noch im Gange war und ihr Ausmass kaum bekannt war.