Gestern hiess es zum elften Mal Yesh! Geschafft!
Direktor Michel Rappaport eröffnete die jüdischen Filmtage mit dem ausdrücklichen Bekenntnis zu Offenheit und einer Debattenkultur, wie er sie nicht bloss von ausserhalb erwünscht, sondern durchaus innerhalb mit dem fünfköpfigen Teams gelebt wird. Daraus resultiert ein bemerkenswert vielfältiges Programm, dessen dreissig Produktionen Gelegenheit für anregende Unterhaltung, hochkarätiges Amüsement und noch dazu in der aktuellen Zeit gesellschaftlicher Polarisierung gute Grundlagen bietet für Diskussionen und vertiefende Reflexionen.
Noch vor dem Eröffnungsfilm unterhielt sich die Moderatorin Monika Schärer im beinahe ausgebuchten grossen Saal vom Arthouse Kino Le Paris mit dem Lehrer und Autor Thomas Meyer über Kultur und Antisemitismus. Geärgert habe er sich über die Boykott-Aufrufe etwa beim ESC, da doch Kultur verbinden sollte. Was Antisemitismus betrifft, so Meyer, sei er selber weitestgehend davon verschont geblieben. Hingegen empfahl er, wenn in Gesprächen unliebsame Bemerkungen geäussert werden, nachzufragen. Bei verbalen Angriffen in sozialen Medien sieht er nur einen einzigen Ausweg, nämlich das eigene Konto zu löschen, «weil Menschen die starke Neigung dazu haben, zu entgleisen» und ohnehin keine ernsthafte Auseinandersetzung möglich sei.
Mit dem Eröffnungsfilm «Bad Shabbos» von Daniel Robbins war für eine leichtfüssig-köstliche Abendunterhaltung gesorgt. Die Schweizer Premiere der US-amerikanischen Komödie handelt gewissermassen von der unangenehmen Nebenwirkung eines Streichs. Die zahlreichen innerfamiliären Querelen und Zwistigkeiten führen zu unzähligen Pointen und letztlich doch zu familiären Kompromissen und nicht unbedingt zu einem Happy end, aber immerhin zu einem versöhnlichen, jedenfalls zu einem überaus vergnüglichen Ende. Nach einem vergnüglichen Abend verabschiedete sich das Publikum beim Apéro im Foyer.