Report der Middle East Studies Association: jüdische Lehrende häufig von Repressalien betroffen.
Als Verband von Lehrenden zum Thema Nahost an US-Universitäten publiziert die Middle East Studies Association (MESA) einen Bericht zur «Repression von Hochschulangehörigen zum Thema Palästina seit dem 7. Oktober 2023». Der Report wirft Uni-Leitungen systematische Repressalien gegen Beschäftigte vor, die sich für die Rechte der Palästinenser aussprachen. Dabei hätten Universitäten «mit staatlichen und externen Akteuren» zusammengewirkt und nach den pro-palästinensischen Protesten 2023/24 mit «erschreckender Härte Mitarbeiter – unabhängig von Rang, Position oder Bekanntheitsgrad – bestraft».
Der Bericht ist ein Produkt der «Academic Freedom Initiative» (AFI) der MESA (Link) und analysiert anhand von fast 200 Fällen «vielfältige Taktiken zur Einschränkung der akademischen Freiheit und der Meinungsfreiheit sowie die Vorwände, die genutzt wurden, um die politischen Beweggründe hinter diesen Massnahmen zu verschleiern». Betroffen von Massnahmen zur Einschränkung der akademischen Freiheit seien Beschäftigte aller akademischen Statusgruppen: 30 Prozent der Fälle betrafen Lehrkräfte ohne Aussicht auf Festanstellung oder Dozenten; 36 Prozent betrafen festangestellte Lehrkräfte.
Demnach haben 40 Prozent der 196 registrierten Vorfällen von Vergeltungsmassnahmen zu einer Kündigung geführt. Überproportional betroffen waren – mit zwei Dritteln der Fälle – Angehörige von Minoritäten. Darüber hinaus identifizieren sich 16,5 Prozent der Betroffenen als jüdisch.
Die meisten Vergeltungsmassnahmen betreffen nicht den Unterricht. Über die Hälfte gingen auf die Teilnahme an Protesten und Äusserungen auf einem Campus zurück, 16 Prozent betrafen Reden oder Aktivitäten außerhalb des Campus, 12 Prozent waren Beiträge in sozialen Medien und in 8 Prozent der Fälle wurden die Gründe für die Bestrafung nicht bekannt gegeben.
Der Bericht wirft Universitäten vor, Untersuchungen auf Grundlage von Bürgerrechts-Gesetzen als Vorwand für politisch motivierte Vergeltungsmassnahmen zu benutzen. Dabei seien bereits langwierige, von feindselig eingestellten Ermittlern durchgeführte Untersuchungen an sich eine Form von Bestrafung. Mitarbeiter berichten angeblich von Schikanen, Stigmatisierungn und öffentlicher Anprangerung.
Auch Vorwürfe des Antisemitismus seien als Vorwand genutzt worden, um Mitarbeiter zu disziplinieren und zu bestrafen: «Den Universitäten ging es nicht wirklich um die Bekämpfung von Antisemitismus, sondern vielmehr um eine politische Inszenierung für die Regierung und andere externe Zielgruppen» (Link).