USA – Italien 15. Okt 2026

Jüdische Schulen sagen Studienreise nach Italien ab

Ein Mann fährt mit dem Fahrrad am Dom Santa Maria Assunta in Reggio Emilia vorbei

Die Gastgeber-Stadt hatte angeblich formelle Erklärungen gegen das Vorgehen Israels in Gaza und auf der Westbank verlangt.   

Pädagogen jüdischer Schulen aus den gesamten USA haben Anfang Woche eine Studienreise zu der Erziehungs-Stiftung «Reggio Children»  in der italienischen Stadt Reggio Emilia abgesagt. Grund sind widersprüchliche Aussagen der Gastgeber über die Forderung an Teilnehmende nach einer formellen Distanzierung zum Vorgehen Israels im Gazastreifen und im Westjordanland.

Die Kontroverse führte zu Antisemitismus-Vorwürfen seitens jüdischer Pädagogen und Vertreter der italienisch-jüdischen Gemeinschaft. Der Besuch wurde in den USA vom «Paradigm Project» ausgerichtet. Wie nun bekannt wird, teilte die Organisation bereits am 9. Oktober Teilnehmern mit, die «Reise sei wegen des «antisemitischen Drucks auf die Gruppe» abgesagt worden. Dazu kamen anscheinend Sicherheitsbedenken angesichts der Überprüfung persönlicher Profile der jüdischen Pädagogen durch pro-palästinensische Aktivisten in Italien. Diese haben Druck auf die Gastgeber ausgeübt, um die Abgabe von Erklärungen gegen Israel zu erwirken.

Laut der JTA hatte sich die Präsidentin von «Reggio Children», Maddalena Tedeschi, an einer Stadtrats-Sitzung für eine Erklärung ausgesprochen, mit der sich jüdische Teilnehmende aus den USA «von der Besatzung von Gebieten und Völkermord distanzieren» sollten. Wenig später teilte eine Sprecherin von «Reggio Children» jedoch mit, die Forderung sei nie zur offiziellen Teilnahmebedingung geworden.

Das «Paradigm Project» hatte die Reise für 68 jüdische Pädagogen organisiert. Eine separate Delegation von 22 Pädagogen aus Israel war in Reggio eingetroffen und nahm in dieser Woche anscheinend ohne Probleme an dem Programm teil. Stadt und Stiftung stehen indes seit Monaten unter Druck pro-palästinensischer Aktivisten gegen die Verbindungen der teilnehmenden Schulen zu Israel protestiert hatten.

Die JTA zitiert mehrere Verantwortliche an jüdischen Schulen. So hatte Pesha Kletenik von der Manhattan Day School geplant, an der Reise teilzunehmen. Die Aufforderung zu einer Distanzierung von Israel sei «eine der schmerzhaftesten Erfahrungen, die ich je gemacht habe. Ich habe mich noch nie zuvor in meinem Leben als Jüdin so gezielt angegriffen gefühlt.»

Auch der Rat der Jüdischen Gemeinde von Modena und Reggio Emilia verurteilte Bestrebungen, Bildungs- und Kulturinitiativen unter Beteiligung von Juden zu boykottieren. Die Gleichsetzung von Juden in der Diaspora mit der israelischen Regierung sei antisemitisch (Link).

Andreas Mink