New York 14. Jul 2026

Streit zu jüdischen Autoren

Dinaw Mengestu bei der PEN America Spring Literary Gala 2026 in New York City.  

PEN-America-Präsident tritt zurück.

Der Präsident der US-Schriftstellerorganisation PEN America, der preisgekrönte Romanautor Dinaw Mengestu, ist überraschend von seinem Amt zurückgetreten. Auslöser war ein heftiger interner Konflikt über einen Bericht der Organisation, in dem jüdische und israelische Autorinnen und Autoren über zunehmende Ausgrenzung, Boykotte und Einschüchterungen seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 berichten. 

Der wenige Tage vor Mengestus Rücktritt veröffentlichte Bericht «A Silent Moratorium» basiert auf Gesprächen mit mehr als 30 Schriftstellern, Übersetzern und Literaturagenten. Viele schildern, sie seien von Veranstaltungen ausgeladen worden, hätten Schwierigkeiten bei der Veröffentlichung ihrer Werke oder seien in sozialen Medien angegriffen worden. Einige berichteten zudem, Verlage oder Agenturen hätten ihnen geraten, ihre israelische Herkunft weniger sichtbar zu machen. 

Mengestu erklärte dagegen, die Veröffentlichung des Berichts könne den Eindruck erwecken, kulturelle Boykotte gegen Israel seien keine Form geschützter politischer Meinungsäusserung, sondern grundsätzlich diskriminierend. Er befürchtete zudem, der Bericht könne Gesetzesinitiativen gegen die BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions) zusätzlichen Auftrieb verleihen. PEN America müsse das Recht auf politische Boykotte ebenso verteidigen wie die Meinungsfreiheit. 

Innerhalb der Organisation stiess diese Haltung auf deutlichen Widerspruch. Mitarbeitende und frühere Funktionäre betonten, PEN America müsse unabhängig von politischen Positionen auch jene Autoren schützen, die wegen ihrer jüdischen Identität oder ihrer Verbindung zu Israel ausgegrenzt würden. Die Auseinandersetzung verdeutlicht die anhaltenden Spannungen innerhalb der internationalen Literaturszene seit Beginn des Gaza-Krieges. Bereits 2024 war PEN America wegen seines Umgangs mit dem Konflikt in eine schwere Krise geraten; zahlreiche Autoren boykottierten damals Veranstaltungen der Organisation. 

Andrew Lapin