Seit sechs Wochen kommt es vor einem am Schabbat geöffneten Café im Zentrum Jerusalems zu Protesten ultraorthodoxer Juden und zu Gegendemonstrationen säkularer Israelis.
Das Café Basimta hat sich damit zu einem neuen Brennpunkt im Konflikt über Religion und öffentlichen Raum in der israelischen Hauptstadt entwickelt. Auch am vergangenen Samstag versammelten sich ultraorthodoxe Demonstranten vor dem Lokal, um gegen dessen Öffnung am jüdischen Ruhetag zu protestieren. Gleichzeitig kamen zahlreiche Unterstützer des Cafés. Die Polizei hatte Absperrungen errichtet, nachdem Demonstranten eine Woche zuvor versucht hatten, in das Lokal einzudringen. Dieses Mal wurden keine Verletzten oder Festnahmen gemeldet.
Eine zusätzliche Dimension erhält der Konflikt dadurch, dass Basimta von der missionarischen Organisation «Jews for Jesus» betrieben wird. Das Café wurde erst vor wenigen Monaten eröffnet und gehört zu den wenigen Cafés in der Gegend, die samstags geöffnet sind. Für die ultraorthodoxen Demonstranten stellt dies eine Verletzung der Schabbatruhe dar; säkulare Aktivisten sehen in den Protesten dagegen einen Versuch, religiöse Regeln im öffentlichen Raum durchzusetzen.
Der Streit erinnert an frühere Auseinandersetzungen um die Schabbatruhe in Jerusalem. Über Jahrzehnte führten etwa die Öffnung von Strassen, Parkhäusern und Restaurants am Samstag immer wieder zu teils heftigen Konflikten zwischen ultraorthodoxen und säkularen Israelis. Die anhaltenden Demonstrationen vor Basimta zeigen, dass diese gesellschaftliche Konfliktlinie weiterhin ungelöst ist.