Der Vorsitzende des französischen Rassemblement National (RN), Jordan Bardella, sieht sich mit schweren Antisemitismusvorwürfen konfrontiert.
Das Rechercheportal «Mediapart» schreibt ihm private Nachrichten aus den Jahren 2013 bis 2015 zu, in denen er judenfeindliche Verschwörungstheorien verbreitet haben soll. Bardella bestreitet die Vorwürfe und bezeichnet die Dokumente als «grobe Fälschungen».
In den veröffentlichten Auszügen soll der damalige Nachwuchspolitiker behauptet haben, sämtliche Banken seien im Besitz von Juden. Weitere Nachrichten unterstellen Juden das Streben nach der Unterwerfung anderer Völker und einer von Israel beherrschten Weltordnung. «Mediapart» erklärt, die Recherche beruhe auf Dutzenden schriftlichen Gesprächen, deren Herkunft unabhängig überprüft worden sei. Marine Le Pen stellte sich hinter ihren politischen Zögling und warf dem Medium eine Manipulation zur Schwächung ihrer Präsidentschaftskampagne vor.
Der Präsident des Dachverbands jüdischer Organisationen Frankreichs, Yonathan Arfi, erklärte, sollten die Dokumente echt sein, widerlegten sie die behauptete Abkehr des RN von seinem antisemitischen Erbe. Die Partei präsentiert sich seit Jahren als Schutzmacht der jüdischen Bevölkerung. Bardella hatte allerdings noch 2023 erklärt, Parteigründer Jean-Marie Le Pen sei kein Antisemit gewesen, und seine Aussage erst nach heftiger Kritik relativiert. Die neuen Enthüllungen stellen damit erneut die Glaubwürdigkeit der von Marine Le Pen betriebenen «Entdiabolisierung» der Partei infrage.