Richter Edward Korman lässt UBS warten.
Die Auseinandersetzung um mutmassliche Nazi-Konten bei der übernommenen Credit Suisse belastet die UBS weiter – und ein rascher juristischer Entscheid ist nicht in Sicht. Dies berichtet die NZZ. Im Zentrum steht der New Yorker Bezirksrichter Edward Korman, der darüber befinden soll, ob der Globalvergleich von 1999 neue Forderungen abdeckt.
Auslöser des aktuellen Konflikts ist eine Liste mit rund 12’000 Nationalsozialisten aus Argentinien, von denen einige Konten bei Vorgängerbanken der Credit Suisse unterhalten haben sollen. Das Simon Wiesenthal Center (SWC) brachte die Vorwürfe bereits 2020 an die Öffentlichkeit und droht seither mit Klagen in den USA.
Für die UBS, die die Credit Suisse 2023 übernahm, steht viel auf dem Spiel. Ihre Anwälte argumentieren, der Vergleich von 1999 – damals über 1,25 Milliarden Dollar zugunsten von Holocaust-Überlebenden – decke sämtliche bekannten und unbekannten Ansprüche im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg ab. Damit seien auch mögliche Forderungen aus sogenannten Täterkonten erledigt.
Das SWC sieht das anders. Es verfolgt eine Doppelstrategie: Neben juristischen Schritten treibt es den Fall auch politisch voran, etwa über Kontakte zu US-Senatoren. Die Organisation wirft der Bank vor, historische Aufklärung zu behindern, sollte ein Gerichtsurteil neue Klagen verhindern.
Richter Korman, der den Vergleich von 1999 selbst mit ausgehandelt hatte, gilt als zentrale Figur – und als jemand, der Entscheidungen hinauszögert und Einigungen bevorzugt. Beobachter erwarten deshalb keinen schnellen Richterspruch. Für die UBS bedeutet das anhaltende Unsicherheit und die Gefahr weiterer politischer und juristischer Angriffe in den USA.
Brisant bleibt der Fall auch auf institutioneller Ebene: Neben dem SWC hat sich zeitweise auch der World Jewish Congress (WJC) kritisch zum historischen Vergleich geäussert. Für Irritation sorgte dabei die frühere Rolle von Ex-CS-Präsident Urs Rohner als Berater des WJC – eine Verbindung, die inzwischen beendet wurde.
Bis zu einem Entscheid aus New York bleibt der Konflikt ungelöst – und die Vergangenheit der Schweizer Banken erneut ein politisch aufgeladenes Thema.