USA-Jüdisches Leben 13. Jun 2019

Stadt New York schliesst erneut orthodoxe Schule wegen Masern

Orthodoxe Gemeinschaften in New York City sind weiterhin besonders stark von der Masern-Epidemie in den USA betroffen. Behörden haben deshalb die zehnte Schule von Chassidim geschlossen.

Seit Beginn der laufenden Masern-Epidemie hat die Zahl der Infizierten in New York 588 erreicht. Dies vermeldet die Nachrichtenagentur JTA. Die Betroffenen gehören ganz überwiegend orthodoxen Gemeinschaften an, die vorwiegend in Teilen von Brooklyn wie Williamsburg leben. Dort haben Behörden nun die «Central UTA Satmar School for Boys» geschlossen.

Die Stadt New York hat aufgrund der Epidemie Anfang April einen Gesundheitsnotstand ausgerufen, in dessen Rahmen auch Schulschliessungen möglich sind. Damit soll die Ansteckungsgefahr gesenkt werden (topnews berichtete). Die Satmar School ist die zehnte Lehranstalt von Orthodoxen, die seither vorübergehend stillgelegt worden ist.

Laut den Behörden hat die Schulleitung einverlangte Informationen über Impfungen von Schülern nicht vorgelegt. Die Satmar School hat bislang keine Stellung zu der Schliessung genommen. Die Anstalt kann erst wieder eröffnen, wenn dort keine ungeimpften Kinder mehr unterrichtet werden. Aus Elternkreisen war zu hören, dass einflussreiche Satmar-Eltern anhin Impfungen verweigert, ihre Kinder aber weiter auf die Schule geschickt hatten.

Laut JTA hatten 2018 nur 67 Prozent der Kleinkinder in Williamsburg eine Impfung gegen Masern. Der Durchschnitt für die ganze Stadt New York liegt bei 88 Prozent (Link).

Seit dem letzten Herbst versucht die Stadt auf immer neuen Wegen, orthodoxe Eltern zu der Impfung ihrer Kinder gegen Masern zu bewegen. Doch anhin konnten Informations-Flugblätter oder Kooperationen mit Rabbinern der Epidemie nicht Einhalt gebieten. Bei Ausrufung des Nostandes waren 285 meist jugendliche New Yorker mit Masern infiziert worden.

Die überwiegende Mehrheit der Chassidim in New York City und in Nachbargemeinden wie Monsey lässt ihre Kinder impfen. Doch wie unter anderen Teilen der amerikanischen Bevölkerung insgesamt ist eine Minderheit für Verschwörungstheorien zugänglich, die Impfungen mit Fällen von Autismus in Zusammenhang bringen. Inzwischen sprechen Impf-Gegner gezielt Orthodoxe an. So verbreitet eine Organisation namens «Peach» (Parents Educating and Advocating for Children’s Health) Broschüren, in denen Impfungen als Verletzung der Kosher-Gesetze bezeichnet werden.

Obwohl diese Auffassung eine Aussenseiter-Position darstellt, lehnen auch einzelne Rabbiner Impfungen aus diesen Gründen ab. Ein Peach-Sprecher erklärte der «New York Times» fälschlicherweise, Impfstoffe würden DNA von Affen, Ratten und Schweinen, sowie Blut-Serum von Kühen enthalten, was in jedem Fall gegen Kosher-Gesetze verstosse (Link).

 

Andreas Mink