Israel 15. Okt 2020

Spitäler und Ärzte am Anschlag

Erschöpftes Spitalpersonal.

Die Zweite Welle trifft Israel hart.

Das Rambam-Universitätsspital in Haifa ist die grösste Klinik im Norden Israels mit einem Einzugsgebiet von rund zwei Millionen Einwohnern. Dementsprechend stehen Ärztinnen und Ärzte und sowie Pflegepersonal im Dauereinsatz.

Seit Ausbruch der zweiten Corona-Welle in Israel hat das Spital tausende von Patienten behandelt. «Das war hart», erzählt die Leiterin der Abteilung für Infektionskontrolle Doktor Khatem Hussein.
Damit die immer höhere Zahl an Erkrankten behandeln zu können, wurde die Corona-Abteilung in den Untergrund des Gebäudes verlegt.

Ursprünglich waren die Räumlichkeiten für den Kriegsfall gedacht. Der Bau wurde während des Libanon-Kriegs 2006 begonnen und sollte die Menschen vor Angriffen mit Chemiewaffen oder Biologischen Kampfstoffen schützen. Innerhalb kürzester Zeit organisierte Hussein die Einrichtung von vier Coronavirus-Stationen. Ein medizinischer Grosseinsatz. «Wir müssen das Beste aus der Situation machen»,
sagt die Mittvierzigerin.

Einfach ist das selbst zu normalen Zeiten nicht. Israels Spitäler zählen zwar zu den besten der Welt. Und auch die medizinische Versorgung belegt in den Ranglisten Spitzenplätze. Doch fehlt dem Gesundheitswesen notorisch das Geld. Es fehlt an Krankenhäusern, und Ärzten. Auf 1000 Einwohner kommen gerade einmal 2,2 Betten, mehr als ein Drittel weniger als im OECD-Durchschnitt, wie die NZZ in einem Artikel zu Israels aktueller Lage schreibt. Und in der Peripherie des
Landes ist die Lage laut dem Taub Center noch prekärer. Im Norden des Landes gebe es pro 1000 Einwohner nur 1,32 Betten, heisst es in einer Analyse des Think-Tanks.

Das Rambam musste wegen der hohen Zahl an Covid-19-Patienten eine der Abteilungen der inneren Medizin schliessen. Dort fehlt es jetzt an Betten, Patienten liegen auf den Fluren. «Das ist würdelos», sagt Professor Zaher Azzam, Leiter der Abteilung und zuständig für die Einteilung der Covid-19-Teams.

Der israelische Corona-Beauftragte Ronni Gamzu hatte aus Sicht von Spezialisten wie Azzam einen guten Plan ausgearbeitet. Gamzus sogenannter Ampel-Plan sah vor, dass je nach Höhe der Infektionsrate in einer Gemeinde einschränkende Massnahmen verhängt werden sollten. Die Ultraorthodoxen, unter denen die Zahl der positiv Getesteten zeitweise über 40 Prozent erreichte, witterten jedoch Diskriminierung und sperrten sich gegen die Einschränkungen.

«Masken tragen, Abstand halten, die Hygieneregeln beachten, das würde eigentlich reichen», sagt Azzam. «Aber dann haben wir da jemanden wie Präsident Trump.» Indem der amerikanische Präsident seine eigene Covid-19-Erkrankung schönredet, macht er auch
Fachleuten in weit entfernten Ländern wie Israel das Leben schwer. Dank den massiven Einschränkungen sind die Infektionszahlen inzwischen wieder gesunken. Das Rambam behandelt derzeit noch 70 Patienten auf seinen Corona-Stationen. Aber der Winter steht vor der Tür und damit möglicherweise ein noch schlimmerer Ausbruch der Epidemie.

Redaktion