Rufe nach Aufgabe seiner Position im House of Lords.
Vor einem Jahr hat seine Freundschaft mit dem Sexual-Verbrecher Jeffry Epstein dem britischen Politiker Peter Mandelson seinen Posten als Botschafter in Washington gekostet. Nun taucht der Name des 72-Jährigen in der neuen Sammlung von Dokumenten des US-Justizministeriums zu Epstein auf. Demnach haben der bekennende Homosexuelle und sein Partner Reinaldo Avila da Silva Zahlungen von knapp 90'000 Dollar von Epstein erhalten.
Mandelson ist daher am Sonntag aus der regierenden Labour-Partei ausge-treten, um «weitere Peinlichkeiten» zu vermeiden. Er bestreitet aber die An-nahme von Zahlungen Epsteins. Premierminister Keir Starmer steht nun er-neut unter Druck, Mandelson zu einer Aussage in den USA über seine Kenntnisse der Aktivitäten des Finanzmagnaten zu bewegen. Er forderte ihn am
Montag zudem auf, aus dem House of Lords – der nicht gewählten Ober-kammer des Parlaments, bestehend aus Politikern, Spendern und verdienst-reichen Persönlichkeiten – zurückzutreten, dem er seit 2008 auf Lebenszeit angehörte. Dies würde auch den Verzicht auf den Adelstitel «Lord Mandel-son» bedeuten.
Eine Weigerung könnte laut «AP» ein langwieriges Verfahren auslösen, das zuletzt vor über einem Jahrhundert gegen Aristokraten eingeleitet wurde, die im Ersten Weltkrieg auf der Seite Deutschlands standen. Die jüngste Veröf-fentlichung der Epstein-Akten enthält Hunderte von Text- und E-Mail-
Nachrichten zwischen Mandelson und Epstein, der diesen 2003 als «meinen besten Freund» bezeichnet hat. Mehrere Dokumente lassen 2003-4 auf Zah-lungen von Epstein an Mandelson in Höhe von 75'000 Dollar schliessen, ge-folgt 2009 von einer Überweisung an da Silva in Höhe von 10'000 Pfund (heute rund 13'650 Dollar) zur Finanzierung eines Osteopathie-Kurses.
Die Dokumente enthalten auch einen E-Mail-Verkehr aus dem Jahr 2009, in dem Mandelson, damals Kabinetts-Mitglied, Epstein mitteilte, er werde sich bei anderen Regierungsmitgliedern für eine Senkung der Steuer auf Banken-boni einsetzen. Die Dokumente legen ausserdem nahe, dass Mandelson nach der Finanzkrise 2008 Details sensibler britischer Regierungsgespräche an Epstein weitergegeben hat. Starmer hat daher am Montag eine «dringende Untersuchung» britischer Behörden zu allen Kontakte Mandelson während seiner Zeit in der Regierung mit Epstein angeordnet (Link).