Zürich 03. Feb 2026

Polizeilich bekannter Mann greift in Zürich orthodoxen Juden an

Erneuter Angriff auf orthodoxe Juden in der Stadt Zürich: Ein 40-jähriger Kosovare hat am Montagabend einen 26-jährigen orthodoxen Juden mit Fäusten angegriffen. Passanten konnten den Angreifer überwältigen. Er ist polizeilich bekannt.

Der Angriff passierte, als der 26-jährige orthodoxe Jude kurz nach 20 Uhr ein Haus in Wiedikon im Kreis 3 verlassen hatte. Er lief auf dem Trottoir entlang, als unvermittelt der Angreifer auftauchte und mit Fäusten auf ihn losging.
Mehrere Passanten eilten zu Hilfe, konnten den Angreifer festhalten und die Polizei alarmieren. Der Mann rief weiter antisemitische Beleidigungen, selbst dann noch, als die Polizei bereits vor Ort war.


Schürfwunden an Körper und Hals
Die Stadtpolizei konnte den Angreifer festnehmen, wie diese am Dienstag mitteilte. Der Mann sei polizeilich bekannt, allerdings nicht wegen ähnlicher Delikte, hiess es auf Anfrage von Keystone-SDA. Genauere Angaben machte die Sprecherin noch nicht. Auch zu seinem psychischen Zustand gibt es bisher keine Informationen. Ob er in Untersuchungshaft kommt, ist noch offen. Der Mann hat keinen festen Wohnsitz in der Schweiz. Das Opfer Schürfwunden am Körper und am Hals und steht unter Schock. 


"Zunehmende Intensität" der Angriffe
Antisemitische Angriffe seien nicht nur zahlreicher geworden, sondern hätten auch eine zunehmende Intensität bis hin zu physischen Verletzungen. Solche Taten würden das bereits gestiegene Unsicherheitsgefühl innerhalb der jüdischen Gemeinschaft erheblich verstärken. "Der Gemeindebund erwartet, dass antisemitische Gewalt konsequent verfolgt und klar benannt wird."
Der jüngste Angriff reiht sich in eine ganze Serie antisemitischer Vorfälle, die in der Schweiz vor allem seit dem Angriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023 stark zugenommen haben. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 221 Vorfälle registriert, darunter war etwa ein versuchter Brandanschlag auf die Synagoge Agudas Achim. Die Zahlen von 2025 sind erst im Frühling verfügbar.


15-Jähriger mit Küchenmesser
Am gravierendsten war bisher der Angriff vom 2. März 2024: Ein damals 15-jähriger Schweizer mit tunesischen Wurzeln stach mehrfach mit einem Küchenmesser auf einen orthodoxen Juden ein. Das Opfer überlebte schwer verletzt. Der Jugendliche bekannte sich in einem Video zum Islamischen Staat IS.
Der eingebürgerte Schweizer ist seither in einer geschlossenen Einrichtung. Wie die Oberjugendanwaltschaft im Januar auf Anfrage bekannt gab, will sie voraussichtlich im ersten Quartal Anklage gegen ihn erheben, also bis Ende März.
Im Januar entschied das Stadtparlament zudem, die Ausgaben für den Schutz jüdischer Einrichtungen zu verdoppeln, von einer auf zwei Millionen Franken im Jahr. Auch der Kanton Zürich verdoppelte seine Beiträge bereits von einer Million auf zwei Millionen. Zudem beteiligt sich der Bund an den Sicherheitskosten.


Hakenkreuze ins Pult geritzt
Auch an den Stadtzürcher Schulen ist Antisemitismus zunehmend Thema. Seit dem Angriff der Hamas auf Israel und dem Ausbruch des Gaza-Kriegs wurden 23 antisemitische Vorfälle gemeldet. Diese reichen von eingeritzten Hakenkreuzen in Pulten bis hin zu direkten Angriffen auf Kinder auf dem Schulweg.
In acht Fällen seien jüdische Schülerinnen und Schüler direkt betroffen gewesen. Ein Kind wechselte daraufhin von der öffentlichen Schule an eine Privatschule.
 

Redaktion